Herr Alipius ist Priester – Glückwunsch!

Nun auch von hier aus nochmals die besten Glück- und Segenswünsche nach Stift Klosterneuburg! Es freut mich, was ich in den Klosterneuerburger Marginalien darüber lese, und ich freue mich, dass die Kirche einen neuen guten Priester hat.

Begegnung der besonderen Art

Viele, die mich schon länger kennen, fragen mich: „Sag‘ mal, wie kommt es eigentlich, dass du einen so engen Kontakt zum traditionellen Katholizismus hast? Wie kommt es, dass ausgerechnet du dich im Umfeld der Petrusbruderschaft herumtreibst?“ – Wieso mache ich also als charismatisch geprägter Ex-Freikirchler jetzt den Spagat zwischen Charismatischer Bewegung und Petrusbruderschaft?

Ein Jahr bevor ich überhaupt darüber nachdachte, wieder in die kath. Kirche zurückzukehren war ich Teilnehmer am Katholikentag im Ulm. Warum auch nicht, denn ich hatte in den kompletten 17 Jahren als Freikirchler immer Kontakte zur kath. Kirche behalten. Es hat sich dabei als ziemlich praktisch herausgestellt, dass ich in meiner Heilsarmee-Uniform dort war. Es erleichterte die Kontaktaufnahme, zumal ich die meiste Zeit in den Hallen mit den verschiedenen Bewegungen und Orden verbracht habe. Mich interessierten, die unterschiedlichen Prägungen , die sich in der kath. Kirche finden.

An einem Stand wurde ich dann von einem Priester in Soutane angesprochen, der meine Uniform nicht zuordnen konnte – sagte er zumindest. 😉 Daraus hat sich dann ein längeres, sehr gutes Gespräch ergeben. Es war ein Pater der Petrusbruderschaft!

„Ökumenischer Dialog“

Ich war mir schon bewusst, dass Vieles von meiner Sichtweise und von meinem Lebensweg nicht gerade kompatibel war mit der Sicht meines Gegenübers. Zugegeben, ich hab’s auch darauf angelegt, meinen Gesprächspartner genau damit auch zu konfrontieren. Die Website kannte ich ja schon länger. Das habe ich aber erstmal nicht verraten. 😉

Was mich besonders faszinierte und immer noch sehr freut: Trotz unserer unterschiedlichen Positionen war es ein Gespräch auf Basis des Glaubens und in großem gegenseitigen Respekt. Unterschiedliche Positionen, Sichtweisen, Überzeugungen konnten klar fromuliert werden ohne einander den Glauben abzusprechen oder einander gar anzugreifen. Und bei mir blieb der Eindruck zurück: Wenn Christen mit solch unterschiedlichen, in Teilen sogar gegensätzlichen, Überzeugungen so miteinander umgehen können, dann habe ich Hoffnung!

Genau so stelle ich mir echten Dialog vor: Respektvoller und wertschätzender Umgang und Warhaftigkeit in den vertretenen Positionen – aber auch hinhören, was mein Gegenüber wirklich meint, auch wenn er eine andere Sprache spricht. Das habe ich dort in knapp 30 Minuten erleben können. Es hat mich so beeindruckt, dass ich meinem Beifahrer – einem Franziskaner – auf der Rückfahrt von dieser Begegnung als dem Erlebnis erzählt habe. Er hat sich mit mir gefreut!

Als ich dann ein Jahr später wieder in die kath. Kirche zurückgekehrt bin, war die Erinnerung an diese Begebenheit der Hauptgrund, hier in Köln Kontakt aufzunehmen, um zu sehen, „was das hier für welche sind“. Tja, nach 6 Jahren besteht noch immer ein ziemlich enger Kontakt. Mittlerweile schätze ich natürlich noch vieles Andere mehr, aber begonnen hat es mit einem wirklichen Dialog in echtem Respekt und spürbarer Wertschätzung trotz Differenzen.

***

Erst später habe ich erfahren, dass es sich um P. Bernhard Gerstle handelte und dass er kurze Zeit später von Stuttgart nach Gelsenkirchen/Recklinghausen versetzt wurde – also gar nicht so weit weg von Köln. Darum haben wir auch wieder Kontakt, und ich „spiele“ hin und wieder „Liturgisches Taxi“ (transportiere also bei besonderen Gelegenheiten Paramente und manchmal auch Leute von Köln nach Recklinghausen).

Etwa zwei Jahre nach dieser Begegnung hat ein zweiter dort anwesender Pater seine Festplatte aufgeräumt und dieses Foto gefunden. Da er mittlerweile die Geschichte von mir gehört hatte, hat er es mir freundlicherweise zugeschickt.

Glaube ist doch keine Knetmasse!

In dieser Woche hatte ich ein kurzes aber interessantes Gespräch. Mein Gegenüber – ein Priester übrigens – war im Hinblick auf diverse Freikirchen der Meinung „die könnten ja wirklich mal langsam unsere Taufe akzeptieren“. Ich hatte ihn dann darauf hingewiesen, dass sie das ja tun, die katholische Taufe akzeptieren, nur eben nicht im Säuglingsalter. Gut, damit fällt in unseren Breiten (noch) der größte Teil der Taufen in Volkskirchen aus dem Raster, was meinem Gesprächspartner ausreichte, sein Befremden auszudrücken, denn so langsam könnte man das ja mal ändern.

Sorry, aber wenn diese christlichen Gemeinden der Überzeugung sind, dass es so eben richtig/biblisch/von Gott gewollt ist, können sie es nicht „einfach so“ ändern, nur weil es „in die Zeit passt“. Glaube ist doch keine Knetmasse, die sich in jedes beliebige Förmchen drücken lässt, das ihm gerade hingehalten wird. Ich frage mich, ob die Kehrseite einer solchen Haltung nicht auch ein Knet-Katholizismus ist – weil’s ja so zeitgemäß ist.

Christus ist auferstanden!

Dies ist die Nacht,
in der Christus die Bande des Todes zerriss
und siegreich vom Grabe erstand.

Nichts nützte uns die Geburt,
hätte uns nicht die Erlösung geholfen.

(Aus dem Exsultet)

Frohe und gesegnete Ostern!

Guter Tod?

Vor Kurzem gelesen in der Zeitschrift „neue Caritas“ vom 14.04.2011:

„Jeder wünscht sich ein Sterben ohne Schmerzen und Leid. Die vielen Gebete um eine gute Sterbestunde, die überliefert sind und die bis heute praktiziert werden, sind Ausdruck dieses Wunsches. Die Sorge um ein gutes und selbstbestimmtes Lebensende ist ein breites gesellschaftliches Thema geworden.“

So lautete der Beginn eines Artikels mit dem Titel: „Der Wille des Patienten zählt“.

Ich frage mich, ob sich die Autorin des Artikels jemals ein solches Gebet um eine gute Sterbestunde näher angesehen hat. Bei dem, was ich zu Gesicht bekommen habe, ging es jedenfalls im Gebet um Bewahrung vor einem plötzlichen / unvorbereiteten Tod und um die Gelegenheit zur Reue.

Der Karfreitag stellt uns einen anderen Tod vor Augen. Der Tod Jesu war mit sehr viel Leid verbunden – um unseretwillen – um meinetwillen – aber er hat uns Heil gebracht.

und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er den Geist aus.“ (Lukasevangelium 23,46)

Vom Umgang mit „Sperrigem“ – Thema Beichtgelegenheit

Am Gründonnerstag muss ich – wegen der Fußwaschung – immer auch an das Thema Beichte denken. Auch wenn es keine so ganz übliche Verbindung ist, so hat für mich die Fußwaschung und das, was Jesus dazu sagt, eine ganz enge Verbindung zur Beichte.

„Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein.“ (Johannesevangelium 13, 10)

Um dieses – sperrige – Sakrament und das dazugehörende sperrige Kirchenmöbel ging es auch in einem Artikel aus der Kölner Kirchenzeitung vom 15.04.2011. Der komplette Artikel ist bis Ende April noch in der PDF-Ausgabe auf Seite 45 zu lesen:

„Sakramentales Handeln – als Vermächtnis des Wanderpredigers Jesu – ist nicht an einen Ort oder etwa an eine Kirchenarchitektur gebunden. Diese kann unter Umständen mit ihrer Raumproportion und Lichtdramaturgie der körperlichen und seelischen Erfahrung der gefeierten Inhalte dienen. Dem hilft auch die Ausstattung – seien es Bilder, Ausschmückung oder – was im Folgenden näher betrachtet werden soll – der Beichtort.“

Von dieser Prämisse ausgehend folgt eine Schilderung der „Beichtorte“ früherer Zeiten – jeweils mit Deutung – bis der Autor dann zur heutigen Beichtpraxis kommt. Letztere allerdings sehr reduziert auf das Beichtgespräch und die dazugehörenden Beichtzimmer:

„Nur belegen die Erfahrungen mit in der Folge eingerichteten „Gesprächsräumen“, dass diese für die Mehrheit der Pönitenten offenbar auch nicht die passende Lösung sind: sie bleiben diesem Angebot einfach fern.“

Ich kann mich ja des Gefühls nicht erwehren, dass hier von den äußeren Gegebenheiten der Haupteinfluss auf die Beichtpraxis erwartet wird. Die Architektur, die Räume als psychologischer Kniff, der zum gewünschten Ergebnis führen soll. Mich würde doch sehr wundern, wenn die „Beichtzimmer“ Schuld daran wären, dass die Beichte aus der Mode gekommen ist. Fehlt uns also einfach nur der heute adäquate „Beichtort“? Und dann wissen die Katholiken plötzlich wieder etwas anzufangen mit Schuld, Vegebung, Verantwortung und Reue? Ich habe meine Zweifel!

Mit Recht richtet sich der Autor gegen Zweckentfremdung und „Profanierung“ der Beichtstühle z.B. durch Nutzung als Abstellkammer. An der Sinnhaftigkeit des folgenden Vorschlags habe ich allerdings auch meine Zweifel:

„Vielleicht können mit einer Rückbesinnung auf Ursprung und Heilsabsicht dieses Sakramentes Wege zur Erprobung neuer Formen alter Traditionen beschritten werden: Zwischen Aschermittwoch – dem Tag der Reue – und Gründonnerstag – in der Zeit der Buße und am Tag der Wiederaufnahme der Sünder in die Gemeinschaft der Gemeinde – sollte der Ort der Beichte eine besondere Herausstellung und Würdigung erfahren. Dies könnte deutlich unterschieden werden von der übrigen Zeit im Kirchenjahr, in der der Beichtstuhl möglicherweise verhüllt sein könnte.“

Ähm… Und wo beichtet man dann im restlichen Jahr? Oder soll das vermitteln „So, das war’s mit der Pflichterfüllung für dieses Jahr – das Thema kann man jetzt getrost bis zur nächsten Fastenzeit abhaken“? Na, das wird ganz sicher (nicht!) dazu beitragen, dass die Beichte wieder als selbstverständlicher Teil des praktizierten Glaubens etabliert wird!

Was bin ich froh, dass die Beichte

  1. an vielen verschiedenen Orten möglich ist: im Beichtstuhl, im Gesprächszimmer, in der Kirchenbank, in einem Wohn- oder Sprechzimmer, unterwegs auf einem Spaziergang oder einer Wallfahrt …,
  2. bei Vielen nicht aus der Übung gekommen ist und auch nicht reduziert auf die kurzen Perioden direkt vor den großen Feiertagen,
  3. immer noch in einigen Kirchen als regelmäßiges, sogar tägliches Angebot besteht und vor allem
  4. die bleibende Einladung Gottes ist – auch an mich – ihm wieder neu zu begegnen und Heilung zu finden!

Rhythmus und Zeiten

Zur „Meditation in der Fastenzeit“, die ich in der letzten Woche an meinem Arbeitsplatz zu halten hatte, habe ich mir Gedanken zum Thema Zeit gemacht:

◊◊◊◊◊

Zeit ist kostbar. Das Leben früherer Zeiten war stark vom Rhythmus der Natur geprägt. Obst oder Gemüse hatte seine Saison und war nicht zu jeder Zeit zu bekommen. Die Notwendigkeiten von Saat und Ernte und die Versorgung des Viehs bestimmten den Tagesablauf. Der Mensch lebte im Rhythmus des Tages, der Woche des Jahres und auch des Kirchenjahres. Es gab „geschlossene Zeiten“ wie die Fastenzeit und den Advent, in denen auf Feierlichkeiten, z. B. Hochzeiten verzichtet wurde. Sie blieben ausgespart – reserviert für die Besinnung.

Selbst die (Fern-)Kommunikation hatte einmal einen ganz anderen Stellenwert und Preis. Sie fand statt über Telefon oder Brief. Es gab Zeiten, in denen man noch damit rechnen musste, dass ein Brief einige Tage dauert oder ein Telefonat seinen Preis hatte.

Heute ist der Anspruch, immer alles sofort zu bekommen. Jedes Produkt, Obst, Gemüse kann man zu jeder Zeit bekommen (und wehe, man kann wegen Feiertagen mal 2-3 Tage nichts einkaufen!). Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten sprechen eine ähnliche Sprache – am liebsten rund um die Uhr, auch sonn- und feiertags.

An Informationen kann man auf Knopfdruck via Google, Wikipedia etc. gelangen – aber bitte nur das Benötigte, keine Hintergründe oder alternative Sichtweisen. Handy-Flatrate, Internet-Flatrate – jeder ist immer erreichbar, alles kann/muss sofort mitgeteilt werden (man braucht nur mal Straßenbahn fahren. Da erlebt man hautnah die Kommunikation der Mitmenschen, ob man will oder nicht).

Die Gefahr besteht, dass Wichtiges aufgeschoben wird, man kann es ja immer noch tun:

Wenn …

  • diese Arbeit erledigt ist,
  • der Berg abgearbeitet ist,
  • ich diese Stellung, dieses Ansehen, dieses Auto habe,
  • ich Urlaub habe,
  • ich in Rente bin,
  • ich dies oder das erreicht habe,
  • ich mir dieses oder jenes leisten kann,
  • die Kinder älter sind,
  • ich diesen oder jenen nicht mehr sehen muss,
  • die Umstände anders sind,

dann …

  • werde ich mir Zeit zum Gebet nehmen.
  • werde ich mir mehr Stille gönnen
  • werde ich Ruhe haben
  • werde ich Frieden finden
  • werde ich diesen oder jenen besuchen
  • werde ich Freundschaften knüpfen und pflegen
  • werde ich mich für andere einsetzen
  • werde ich mein Hobby wieder pflegen
  • werde ich die Natur genießen können
  • beginne ich zu leben

DU NARR!

Lukas 12, 19 – 20a: „Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens. Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! …“

Fastenzeit – ein Anachronismus?

Sie ist Herausforderung zum Maßhalten, sich Bescheiden, hineinfinden in den Rhythmus Gottes. Sie ist Herausforderung zur Genügsamkeit, zur Stille und zur Wahrhaftigkeit, wenn ich mir selbst begegne.

Tiefe braucht Zeit.

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:

geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit;
pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit;

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit;
klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;

Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;
herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit;
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;
Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.

Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon.

Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“ (Prediger 3, 1-11)

Knoten

knotenOhne Worte…

Genialer Flashmob in Paris

Nein, als Christen müssen wir uns wirklich nicht verstecken.

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Flash mob à Paris von Emmanuelmedias

In der letzten Zeit denke ich viel darüber nach, was wir Laien alles tun können für die Verbreitung des Evangeliums und für den Aufbau der Gemeinde. Gar nicht so wenig!

Zugegeben, das ist eher eine der spektakuläreren Aktionen. Aber mit ein bisschen Einsatz und Kreativität kann eigentlich jeder eine Möglichkeit finden, zum Aufbau des Ganzen beizutragen. – Und immer weniger verstehe ich, warum das in den ganzen Diskussionen um Kirchenkrise und Engagement der Laien gar nicht auftaucht.

Bekennerschreiben

(veröffentlicht am 28.03.2011 auf dem Blog „Sende-Zeit“ / Blog der Medienpastoral im Erzbistum Freiburg)

Der 17. März ist für mich ein besonderes Datum. Es ist der Tag, an dem ich aus der kath. Kirche ausgetreten bin, und es ist der Tag, an dem ich 17 Jahre später die Entscheidung getroffen habe, wieder in die Kirche einzutreten.

Nun ist es nicht so, dass ich mich zwischenzeitlich vom christlichen Glauben entfernt hätte. Ich bin in einer formal katholischen Familie aufgewachsen. Nach einer recht frühen Krise zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr habe ich auch wieder innerhalb der kath. Kirche den Anschluss an den Glauben gefunden, doch mit den „spezifisch katholischen“ Elementen des Glaubens habe ich nie viel anfangen können. Ich hatte zwar eine lockere Verbindung an eine Jugendgruppe, doch durch die große Entfernung war es schwierig, dort eine verlässliche Anbindung zu finden. Es war für mich also kein großes Problem, mich an eine nahe gelegene Baptistengemeinde anzuschließen. Das verbindlich zu tun, hieß auch, aus der kath. Kirche auszutreten und mir keine Hintertüren offen zu lassen. Damit war aber nie eine bewusste Abkehr oder gar Ablehnung verbunden.

Auf sechs Jahre in der Baptistengemeinde folgten elf Jahre in der Heilsarmee. Dort habe ich die Bibelschul-Ausbildung absolviert, wurde ordiniert und als Offizierin (= Pastorin) erst in einer Gemeinde, dann in der Verwaltung eingesetzt. Irgendwann habe ich festgestellt: Wir leben uns auseinander, die Heilsarmee und ich.

Ich habe Kontakt zu anderen freikirchlichen Gemeinden, aber auch zu einer katholisch-charismatischen Gemeinschaft aufgenommen. Nach langen Jahren sah ich mich dort wieder mit Dingen wie Beichte und Eucharistische Anbetung konfrontiert. Ich musste mich damit auseinandersetzen, welche Position ich selbst eigentlich beziehe. Dabei war mir durchaus bewusst, dass diese Gedanken für mich gefährlich waren, denn es hing nicht nur meine Gemeindezugehörigkeit daran, sondern auch mein Arbeitsplatz und meine (möblierte) Dienstwohnung. Aber als ich die Gewissheit hatte, dass ich die Heilsarmee verlassen würde, war trotzdem noch nicht klar, was folgen sollte.

Wochenlang habe ich mit dieser Unsicherheit gelebt, bis ich irgendwann zum Gebet in eine Kirche gegangen bin und konkret gefragt habe „Gott, wo willst du mich haben? Wo ist mein Platz?“. Die Antwort: „Vor mir“ – „Ähm… hilft mir das jetzt weiter?“ Tja, und dann ist mir die Situation bewusst geworden: Ich war in einer katholischen Kirche, in der zudem noch den ganzen Tag über Eucharistische Anbetung war. Ich kniete also dort vor dem Allerheiligsten – und da war dann wohl auch mein Platz. Ich habe mich zwar immer noch gefragt, wie das konkret gehen soll. Ich war schließlich ein sehr verbindliches Gemeindeleben gewöhnt. Aber mir ist klar geworden, dass ich längst an die Gegenwart Jesu dort glaubte, dass ich es mir selbst aber nicht eingestehen konnte. Also war dann wohl auch in der kath. Kirche mein Platz.

Heute, sechs Jahre nach dieser Entscheidung, kann ich viele „katholische Eigenheiten“ in der Frömmigkeit besser verstehen und einordnen. Manches wird vermutlich nie einen großen Raum in meinem eigenen christlichen Leben einnehmen. Ich erfahre aber immer mehr, dass es in der Kirche eine große Weite gibt, in der viele unterschiedliche Prägungen Raum haben. Und das erlebe ich als großen Reichtum und als persönliche Bereicherung.

„Die Stunde der Laien…

… ist von 13 – 14 Uhr, weil da der Klerus schläft“ – sagte mir augenzwinkernd ein Priester im Hinblick auf seine Gewohnheit, Mittagsschlaf zu halten.

„Die Stunde der Laien“ war die Überschrift eines Vortrags heute bei einem Einkehrtag. Diesmal ging es nicht um schlafenden Klerus, sondern eher um „schlafende“ Laien.

In der letzten Zeit wurde das Thema der Verantwortung der Laien wieder einmal verstärkt in die Öffentlichkeit gebracht. In Zeiten des Priestermangels müssten, so sagt man, die Laien mehr mit eingebunden werden in die Verkündigung und ihren Platz einnehmen. Interessanterweise folgen dann allerdings Vorschläge zu Bereichen, die zu einem großen Teil in die priesterlichen Aufgabenfelder fallen. Kein Wort der Ermutigung, sein Christsein am Arbeitsplatz, im Freundeskreis oder der Familie zu leben. Keine Erwähnung des Zeugnisses, das nur die Laien geben können, weil sie eben vor Ort sind. Ebenfalls lese ich nichts davon, dass Laien in Verwaltung, Organisation, Katechese oder dergleichen die Priester unterstützen und entlasten können und damit Verantwortung für den Aufbau der Gemeinde übernehmen. Sehr merkwürdig!

Folge mir nach!

Und da freue ich mich über einen Vortrag wie heute mit dem Appell an die Laien, ihren Glauben in ihrem Umfeld nicht zu verstecken, sondern ihren Platz in der Welt einzunehmen. Zugegeben, das ist ein deutlich höherer Anspruch an mich, als in einem Liturgiekreis zu sitzen oder in anderen Gremien. Aber niemand hat gesagt, dass es einfach ist, seine ureigenste Berufung zu finden und ihr zu folgen.

„Weil er an mir hängt…“

„Wer im Schutz des Höchsten wohnt und ruht im Schatten des Allmächtigen, der sagt zum Herrn: «Du bist für mich Zuflucht und Burg, mein Gott, dem ich vertraue.»

Er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus allem Verderben. Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist dir seine Treue.“ (Psalm 91, 1-4)

Das sind unerwartet tröstliche Worte, vor allem am Beginn der Fastenzeit. Gehört habe ich sie in der Messe des ersten Fastensonntags in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

In den Texten und Gebeten dieser Messe kommen immer wieder – neben Themen des Verzichts und des Opfers – Teile dieses Psalms vor. Es ist schön, am Anfang der Fastenzeit daran erinnert zu werden, unter welchem Vorzeichen diese Zeit steht: Nicht so sehr mit dem Focus auf eigene Leistung, sondern mit der deutlichen Erinnerung an die Fürsorge, die Liebe und den Schutz unseres Gottes.

„Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf Löwen und Drachen.

«Weil er an mir hängt, will ich ihn retten; ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen. Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich sättige ihn mit langem Leben und lasse ihn schauen mein Heil.»“ (Psalm 91, 11-16)

„Weil er an mir hängt, will ich ihn retten…“ Wieder eher die Erinnerung an die Beziehung, als an die Leistung. In Zeiten, in denen mir mein eigener Glaube besonders trocken erscheint, habe ich mich oft an dieses Wort erinnert und mich meinerseits daran festgehalten. Wenn ich der Meinung war, hinter den Ansprüchen zurück zu bleiben (wer auch immer diese an mich gestellt haben mag), dann hat mir dieses Wort zu neuem Vertrauen geholfen. Wie schön, dass es gerade am Anfang dieser herausfordernden Periode „Fastenzeit“ wieder auftaucht.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Fastenzeit im Bewusstsein, von Gott selbst gehalten zu sein.

Nicht einmal am Rosenmontag erträglich

Kunterbuntes passt ja eigentlich ganz gut in den Karneval, doch hier wird’s mir eindeutig zu bunt:

Büttenpredigt:
Roland Breitenbach und seine Sicht der Kirche
„Mehr Schein als Sein“

Das Lesen dieser schlecht gereimten Generalabrechnung mit der Kirche geschieht auf eigene Gefahr!

Regenbogenbunt ist auch dieser Rosenkranz mit der fragwürdigen Bezeichnung – gefunden bei ebay:

21″ GAY PRIDE Rosary

Ich frage mich, wer sowas kauft und dann auch noch betet.

Gestern im Büro…

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen“

Diese Woche haben in meinem Umfeld zwei Menschen einen lieben nahen Verwandten verloren, einer davon plötzlich und völlig unerwartet. Der Schock sitzt tief und zwingt zum Nachdenken.

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ (Ps. 90, 12)

Vor vier Jahren, beim Tod meiner Mutter, gingen mir ähnliche Gedanken schon einmal durch den Kopf – und seitdem immer wieder:

„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Das sind die „Hausaufgaben“, die uns in diesen Fällen gestellt werden: „Bedenken, dass wir sterben müssen!“ Es ist eine unangenehme Aufgabe, sich mit dem Sterben auseinander zu setzen, aber sie bringt vieles wieder zurecht.

Ich selbst wurde vor allem im Jahr 2006 wie niemals vorher mit dem Tod konfrontiert. Liebe Menschen aus meiner Umgebung starben, oder aber Freunde verloren nahe Verwandte. Durch den Tod meiner eigenen Mutter ist mir dieses „Bedenken“ allerdings besonders nahe gekommen. So hat mich dieser Vers aus den Psalmen von Anfang an begleitet.

Vor diesem Hintergrund haben sich Prioritäten völlig neu geordnet:

  • Was ist wirklich wichtig?
  • Welchen Wert hat das am Ende?
  • Was bleibt wirklich?

Und andere Fragen sind aufgetaucht:

  • Was glaube ich eigentlich?
  • Wie steht es eigentlich mit meinem Glauben an die Auferstehung, das ewige Leben?
  • Wie tragfähig ist meine christliche Hoffnung?

Und dabei ist mir dann – fast zeitgleich mit dem Vers aus Psalm 90 – ein weiterer biblischer Text eingefallen:

„Wir wollen euch aber, liebe Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die, die entschlafen sind, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die entschlafen sind, durch Jesus mit ihm einher führen.

Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, dass wir, die wir leben und übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind. Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet euch mit diesen Worten untereinander.“
(1. Thessalonicher 4, 13 – 18)

Es ist gut, sich mit Tod und Sterben auseinander zu setzen. Es ist gut, vor diesem Hintergrund immer wieder das eigene Leben zu überprüfen. Es ist gut, sich dieser letzten Begrenzung zu stellen. Und es ist gut, zu wissen, dass Jesus durch sein Opfer am Kreuz den Weg in die Ewigkeit bei Gott frei gemacht hat.

Damit wir nicht trauern wie die, die keine Hoffnung haben.

Das hat wirklich gut getan!

Kurztrip nach Linz! Eigentlich ist es ja schon ein bisschen unvernünftig, mal eben jeweils 7 Stunden mit dem Auto zu fahren, um gerade mal 3 volle Tage in Österreich zu verbringen. Aber die kleine Auszeit war dringend nötig, also kam mir die Einladung gerade recht.

Tja, und dann waren diese wenigen Tage für mich erholsam, wie schon lange nichts mehr. Nicht, dass ich etwas Besonderes unternommen hätte – ich konnte einfach eine unkomplizierte Zeit mit freundlichen Leuten verbringen: Viel gelacht, auch Zeit zum Gebet und gute Gespräche.

Und das Wichtigste: Willkommen sein! Ich neige ja ein bisschen dazu, etwas skeptisch zu sein, ob ich nicht etwa doch störe. Umso entspannender ist es, wenn diese Gedanken gar nicht erst aufkommen können. So bin ich im Moment einfach nur dankbar für dieses unverhoffte und unverdiente Geschenk.

Die Leute, die es betrifft, wissen, wer/was gemeint ist – und Gott weiß es sowieso!

Da fehlt doch was

Es existiert jetzt also ein Memorandum, das mittlerweile von knapp 200 Theologen unterschrieben wurde. Die Forderungen nach Wegfall des Zölibat, Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priestertum und weitere nicht ganz neue Reformwünsche treten damit zeitlich „günstig“ in der Planungsphase des Papstbesuches in Deutschland vehement wieder an die Öffentlichkeit. Blogger Alipius denkt laut darüber nach, dass dieser Zeitpunkt möglicherweise kein Zufall ist.

Die Verfasser des Memorandums selbst begründen ihre Wortmeldung allerdings mit dem Priestermangel und ihrer Sorge um die individuelle Seelsorge, die dadurch nicht mehr gewährleistet sei. Merkwürdig nur, dass bei diesem Focus auf die Seelsorge und der Befürchtung einer überbordenden Verwaltung/Organisation gerade an den Strukturen gedreht werden soll.

Bei aller Sorge um die Seelsorge lese ich auf der anderen Seite nichts von der Wichtigkeit der Beichte und der Notwendigkeit von festen Beichtgelegenheiten. Ich lese nichts von der unbedingt notwendigen Katechese, die ja nicht zwingend allein durch die Priester geleistet werden muss. Mir fehlt auch völlig die Erwähnung von Möglichkeiten, bei denen Laien ihre spezielle Berufung in der Kirche leben können und damit die Priester unterstützen. Der Kirche wird Klerikalismus – sogar ein wachsender – vorgeworfen. Die Konzentration auf das quantitative Wachstum der Priesterschaft scheint mir nicht weniger klerikalistisch – wenn man nicht unterstellen will, dass eigentlich etwas ganz anderes bezweckt werden soll.

Die beste Idee überhaupt…

… angesichts der derzeitigen Debatten um Zölibat, Kirchenstrukturen etc. hatte Annuntiator:

Gebetsaufruf – Novene für die Kirche

Stimmt! Was die Kirche jetzt am nötigsten braucht, ist das Gebet der Gläubigen und vor allem das Wirken des Heiligen Geistes.

Ich bin dabei!

Ökumenische „Familienidylle“ zum Fest

Sehr treffend! 🙂

Bis zum 2. Februar ist die Weihnachtszeit ja noch nicht ganz vorbei.

Der Hauptmann von Kapernaum – und das Gebet zu den Heiligen

„Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Es ist schon etwas Merkwürdiges, wenn man beim Lesen der Bibel plötzlich über ein Thema nachdenkt, das man noch nie mit diesem Bibeltext in Verbindung gebracht hat – so geschehen gestern bei mir.

Der Hauptmann von Kapernaum ist ja vor allem bekannt, weil Jesus seinen großen Glauben lobte.

„Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ (Lukasevangelium 7, 6+7)

Dass der Hauptmann nicht selbst zu Jesus gegangen ist, war mir zwar immer bewusst, aber irgendwie habe ich nie näher darüber nachgedacht. Und dann bleibe ich ausgerechnet dabei hängen:

„… ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen“

Solche Aussagen kenne ich auch von nicht wenigen Christen, denen es ähnlich geht. Darum fällt es ihnen – so sie Katholiken sind – genau aus diesem Grund manchmal leichter, Maria oder die Heiligen um Fürsprache zu bitten bzw. ihnen ihr Herz auszuschütten.

Mir kam das immer fremd vor. Dass ich mit allem immer zu Jesus gehen kann, ist eigentlich schon immer einer der Grundtöne meines Glaubens gewesen. Auch in der Verkündigung – gerade in freikirchlichen Gemeinden – wurde/wird immer wieder Wert darauf gelegt. Von Jesus ist aber nicht berichtet, dass er etwas dagegen hatte, wenn man sich an Fürsprecher wandte.

Genau wie bei der Heilung eines Gelähmten (im selben Ort übrigens), den seine Freunde zu Jesus brachten, so handelte er auch hier auf Bitte von anderen. Und in keinem Fall hat er die Betroffenen getadelt. Den Glauben des Hauptmanns hebt er sogar ganz besonders hervor, unbeschadet dessen, dass er sich nicht unmittelbar selbst an Jesus gewandt hat.

Ich weiß nicht, ob das Gebet zu Heiligen jemals einen großen Raum und Stellenwert bei mir haben wird. Ich vermute mal, eher weniger. Mir ist aber nochmals besonders deutlich geworden, dass es andererseits auch nicht ganz so abwegig ist und seine Berechtigung hat.