An die Mönche …

Zitat

»Ich ermahne euch, daß ihr allzeit dem göttlichen Offizium mit Eifer und Herzensreinheit beiwohnt.

Mit Eifer, d. h. indem ihr ebenso ehrerbietig als freudig vor dem Herrn stehet, nicht träge, nicht schläfrig, nicht gähnend, nicht die Stimme schonend, nicht Worte verstümmelnd oder überhüpfend, nicht mit halber Stimme etwas Weibisches herausnäselnd, sondern wie es sich gebührt, in männlichem Tone und mit männlichen Gefühlen die Worte des Heiligen Geistes aussprechend.

Mit Reinheit des Herzens, d.h. indem ihr beim Singen nur an das denkt, was ihr singt. Ihr müßt daher nicht nur eitle und müßige Gedanken ausschlagen, sondern auch sogar alle jene, mit denen sich die Beamten für die Interessen des Hauses sonst beschäftigen müssen. Solche Gedanken sind gut; nicht gut aber ist es, sich im Chor damit abzugeben; denn der Heilige Geist sieht da keineswegs wohlgefällig an, was wir nicht schulden, wenn wir vernachlässigen, ihm darzubringen, was wir schulden.«

(St. Bernard von Clairvaux, sermo 47 in Cant.)

 

Heute bei der Lektüre von Zeitschriften in der Diözesanbibliothek entdeckt.

Gregorianischer Choral – gesungene Liturgie

Die Meinung, dass Latein und der Gregorianische Choral in der Liturgie von „dem Konzil“ (gemeint ist das Zweite Vatikanische Konzil) abgeschafft wurden, ist weit verbreitet. In der entsprechenden Liturgiekostitution lese ich allerdings:

„Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen…“ (Sacrosanctum Concilium, Kap. 6, Art. 116: )

Der Choral ist wortgebundener Gesang. Die Melodie folgt der Sprache und dient dem Text – mehr als in den sonst üblichen Gesängen. Und die Texte entstammen der Liturgie und zum großen Teil den biblischen Schriften. So kann er im liturgischen Vollzug der Evangelischen Kirche ebenso einen Platz haben, wie er es in der römisch-katholischen Liturgie laut Liturgiekostitution haben sollte.

Seit etwas über vier Jahren singe ich in der Oekumenischen Choralschola Köln an der evangelischen Antoniterkirche in der Kölner Innenstadt. Zumeist singen wir nicht in katholischen Kirchen, sondern in evangelischen Abendmahlsgottesdiensten vor Ort.

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Foto: Engelbert Broich / AntoniterCityKirche

Es geht in der Schola weniger darum, möglichst oft mit möglichst vielen Gesängen zum ‚Einsatz‘ zu kommen. Als Sänger und Sängerinnen in der Schola versuchen wir, uns die Gesänge anzueignen und auch vom geistlichen Gehalt her zu erschließen – und dann natürlich auch gut und richtig in den Gottesdiensten zu singen. 😉

Es wäre schön, wenn die Schola noch etwas Verstärkung erhielte. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass es sich lohnt.

Weitere Information sind auf den Seiten der AntoniterCityKirche zu finden. Auf der Unterseite der Oekumenischen Choralschola Köln steht unter anderem:

„Sängerinnen / Sänger mit Interesse am Gregorianischen Choral (Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt) können sich zum Kennenlernen unserer Schola über die E-Mail-Adresse kontakt@antonitercitykirche.de beim Scholaleiter Manfred Loevenich melden!“


„Die Kirchenmusik muss in höchstem Maße die besonderen Eigenschaften der Liturgie besitzen, nämlich die Heiligkeit und die Güte der Form; daraus erwächst von selbst ein weiteres Merkmal, die Allgemeinheit. Diese Eigenschaften finden sich in höchstem Maße im gregorianischen Choral, besitzt in vorzüglichem Maße auch die klassische Polyphonie. Eine Kirchenkomposition ist um so heiliger und liturgischer, je mehr sie sich in Verlauf, Eingebung und Geschmack der gregorianischen Melodik nähert; und sie ist um so weniger des Gotteshauses würdig, als sie sich von diesem höchsten Vorbild entfernt.“ (Papst Pius XII.: Enzyklika Musicae sacrae disciplina, 25. Dezember 1955)

Singen auch an Weihnachten

notenblaetterSchrieb ich kürzlich vom Singen im Advent?

Mir scheint, ich selbst habe in der Weihnachtszeit deutlich mehr zu singen. Dass die Oekumenische Choralschola, in der ich mitsinge, an Epiphanie singt, stand schon recht lange fest. Dass ich dann eventuell auch etwas solistisch beitrage, habe ich mir gestern höchstselbst eingebrockt. Auch mein solistischer Einsatz an Heiligabend in der Christmette in Wigratzbad ist schon etwas länger in Planung. Offenbar fand aber jemand, die 2 Wochen dazwischen seien dann doch ein bisschen lang. Gerade kam nämlich die Anfrage, ob ich am 3. Dezember nicht auch noch in der Messe die zweite Hälfte der „Choralschola“ bilden möchte.

Drei verschiedene Gesangseinsätze an drei verschiedenen Kirchen, schön abwechselnd Köln – Wigratzbad – Köln. Na, dann hoffen wir mal, mir bleiben die Erkältungen vom Hals. So langsam sollte ich mir wohl den hl. Blasius und die hl. Cäcilia zu Freunden machen … 😀

Gar nicht so einfach

Graduale2Nach nunmehr 10 Jahren bin ich im alten Ritus – äh, in der ‚außerordentlichen Form des Römischen Ritus‘ – eigentlich zuhause. Wenn ich in der Bank sitze – knie – stehe, ist mir der Ablauf und auch das Singen der gleichbleibenden Teile (Ordinarium) ganz selbstverständlich.

Ganz anders sah es allerdings heute aus, als ich auf der Empore stand und für den Choral verantwortlich war. Genauer gesagt: Ich war die ‚Schola‘. Jetzt lag es an mir, das ‚Vidi aquam‘, Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei anzustimmen – möglichst zum richtigen Zeitpunkt. Lag es an der neuen Perspektive, der Verantwortung, der Aufregung? Ich war mir jedenfalls plötzlich gar nicht mehr so sicher, wann ich ‚dran‘ war. Und eigentlich vertraute Gesänge waren auch plötzlich gar nicht mehr so vertraut und selbstverständlich.

Es ist letztlich (fast) alles gut gegangen. Aber mein Respekt für diejenigen, die sich für diesen Dienst zur Verfügung stellen, ist gewachsen. Was aus der Kirchenbankperspektive normal und offensichtlich ist, ist es nicht automatisch auch, wenn man selbst dafür die Verantwortung trägt. Wieder was gelernt!

Beim nächsten Mal wird es dann hoffentlich etwas souveräner.

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Gesungene Komplet aus dem Priesterseminar Wigratzbad

Vor kurzem habe ich in den Infos der Konfraternität St. Petrus gesehen, dass sich neuerdings auf der Website Audioaufzeichnungen der Komplet aus dem Priesterseminar in Wigratzbad finden. Eine wirklich schöne Idee!

Falsch verstanden am Kaffeetisch

Ich sage, ich singe in einer Choralschola
Mein Nachbar versteht Koranschule

😀

Schon interessant, dass der Begriff ‚Choralschola‘ hier offenbar deutlich unbekannter ist als ‚Koranschule‘.

Gregorianischer Choral ist übrigens unter anderem das, was man im vorherigen Posting auf den YouTube-Videos hört – für die, die es nicht kennen. 😉