À temps – zur rechten Zeit

Banneux20130810 (1)Mein gestriger Tagesausflug nach Banneux hat zuerst nicht besonders zeitig begonnen, mehr als eine Stunde später als geplant. Deshalb bin ich erst kurz vor der Mittagszeit dort angekommen, und es herrschte Banneux-Wetter (“Bah! Nöö!”) – 16-18°C und grauer Himmel. 🙁

Für eine Beichte am Vormittag war es jedenfalls zu spät. Deshalb habe ich kurzentschlossen den Shopping-Teil meines geplanten Aufenthaltes vorgezogen und meinen Vorrat an Kreuzen für’s Rosenkranzknüpfen deutlich aufgestockt, bevor ich zum ausgiebigen Mittagessen ins Restaurant gefahren bin. Als ich gegen 15 Uhr zum Wallfahrtsort zurück kam hatte ich immer noch kaum Zeit für Stille und Gebet nutzen können.

Aber wenigstens zum Beichten habe ich dann kommen können – diesmal sogar in Deutsch. 😉 Der Priester war allerdings in Plauderlaune. Zur eigentlichen Beichte kam ich erst, als man draußen deutlich hören konnte, dass noch weitere Leute – auch Kinder – zur Beichte kamen. Da ging’s dann relativ flott, aber dennoch sehr gut. Bis zur Vorabendmesse (in Französisch) hatte ich gerade noch genug Zeit, mich kurz in eine Kapelle zurück zu ziehen.

Irgendwie war mein Aufenthalt bis dahin nicht wirklich so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Alles dauerte länger als geplant und die Zeit lief mir davon.

Und dann hat mich die Predigt gepackt. Der Priester hatte hauptsächlich über Sarah im Alten Testament und Lazarus, Maria und Martha im Neuen Testament gesprochen. Beide Male sah es so aus, dass es “zu spät” war – zu spät für Sarah, noch ein Kind zu bekommen und zu spät für Lazarus, von seiner Krankheit zu genesen. Und doch kommt Gott zu seinem Ziel. Allein für diesen Gedankenanstoß hat es sich gelohnt.

Ich hatte auch schon seit einiger Zeit damit abgeschlossen, gewisse Bereiche vernünftig unter einen Hut bringen zu können. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie das gehen sollte, und ich bin ja auch keine 20 mehr. Ich hätte nicht erwartet, dass ich alle losen Enden nochmal zusammenbringen könnte. Und seit relativ kurzer Zeit sieht es plötzlich so aus, dass es doch gehen könnte.

Gott kommt zur rechten Zeit, auch wenn es menschlich unmöglich scheint! Das war die Ermutigung des heutigen Tages.

Manchmal macht’s der Herr einem leicht

Mein persönlicher Start in den Eucharistischen Kongress ist zugegebenermaßen erstmal nicht so gelungen. Den Vormittag habe ich mit Kopfschmerzen Zuhause verbracht und bin dann erst am Nachmittag in die Stadt. Meinen ursprünglichen Plan, erst einmal irgendwo zur Beichte zu gehen habe ich auf später verschoben, obwohl’s nötig gewesen wäre. Aber irgendwie musste ich mich erst sortieren – und ich wusste auch noch nicht so recht wo und wie. Auch zum ursprünglich geplanten Vortrag habe ich es nicht geschafft. Also habe ich mit der Minoritenkirche gestartet, wo beim Kongress die geistlichen Gemeinschaften zu finden sind. Mal sehen, was es da so gibt.

Nachdem ich mir die Stände vor der Kirche angesehen habe, habe ich dann in der Kirche neben der Eucharistischen Anbetung auch die Beichtgelegenheiten entdeckt. Ob ich vielleicht doch… Und während ich mich so umsehe, entdecke ich einen Priester, den ich kenne und den ich dort überhaupt nicht vermutet habe. Außerdem war er gerade ‘frei’ – also überhaupt keine Ausrede möglich. Ja, und dann ging’s ganz leicht. Besser hätte es nicht sein können.

Als kleines Sahnehäubchen gab’s dann auch gerade eine Anbetungszeit mit Lobpreisliedern. Irgendwie habe ich unverhofft ein Rundum-Sorglos-Paket bekommen. Danke!

Tod und neues Leben

Dieses Bild entwickelte sich bei mir, als ich in der Grabeskirche Zeit (mit Beichte) in der Adamskapelle unter der Kreuzigungskapelle verbrachte. Es hat mich lange nicht losgelassen.

“francophone” oder “Der Herr kennt die Seinen”

Schon seit einigen Wochen denke ich darüber nach, mal wieder einen Tag nach Banneux zu fahren. Das superschöne Wetter hat mich motiviert, das heute endlich in die Tat umzusetzen.

Man hat dem Wallfahrtsort deutlich angemerkt, dass die ‘Saison’ noch nicht begonnen hat. Als ich gegen 10 Uhr ankam, war noch fast alles geschlossen, und es gab nur sehr wenige Besucher. Auf der Infotafel konnte ich lesen, dass die Beichtzeiten von 10 – 12 Uhr und von 14 – 16 Uhr sein sollten. An den üblichen Beichtstühlen blieb aber alles dunkel.

Ich hatte mir fest vorgenommen, die Zeit in Banneux auch für eine Beichte zu nutzen. Zwar war es nicht im strengen Sinne ‘nötig’, aber ein paar Themen sind mir derzeit doch so präsent und ‘dran’, dass ich die Gelegenheit schon gerne wahrnehmen wollte – und das auch lieber am Anfang des Tages als später, kurz bevor ich wieder fahre.

Aus der Not eine Tugend machend habe ich dann eben erstmal einen kleinen Spaziergang gemacht und nochmals über meine Themen nachgedacht. Doch auch kurz vor 11 Uhr war an den mir bekannten Beichtstühlen immer noch niemand zu sehen. Die Information war ebenfalls geschlossen und auch am Gesprächszimmer blieb alles dunkel und verschlossen – nur ein Hinweis war zu lesen, man solle in diesem Fall am Priesterhaus klingeln.

Ich bin nun wirklich nicht dafür bekannt, mutig irgendwo zu klingeln und etwas für mich zu wollen oder nachzufragen – schon gar nicht in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist. Umso erstaunter war ich über mich selbst, dass ich geradewegs zum Haus ging, auf den Klingelknopf drückte und nach einer deutschsprachigen Beichtgelegenheit fragte.

Leider Fehlanzeige! Der Priester vor mir sprach nur französisch und der deutschsprachige Priester sollte erst am Nachmittag kommen. Es gab nur die Möglichkeit, in Französisch zu beichten (Premiere!) oder bis zum Nachmittag zu warten.

Offenbar war der akute Mutanfall noch nicht vorbei (gepaart mit einer gehörigen Portion Ungeduld): Ich habe mich entschieden, es in der Fremdsprache zu versuchen. Trotz anfänglicher Stammelei wurde es dann ein richtig gutes Beichtgespräch. Genau das, was ich brauchte und was ich in meiner jetzigen Situation hören musste. Durch die Fremdsprache war ich zudem gezwungen, die Dinge viel einfacher und deutlicher auszudrücken und nicht in verklausulierten Andeutungen. Mir war, als hätte ich ein Schmunzeln ‘von oben’ wahrgenommen. 😉

Nach der Beichte habe ich mir einen Spaziergang gegönnt und bin dann zum Essen in ein nahegelegenes Restaurant nach Theux gefahren, wo ich mir fast eineinhalb Stunden zum Essen gegönnt habe – nur für mich allein. Dann noch ein kurzer Abstecher nach Tancrémont und wieder zurück nach Banneux zur Vorabendmesse – ebenfalls in Französisch und vom selben Priester gehalten. Die Predigt war übrigens genau so gut und gehaltvoll wie seine Einlassungen während meiner Beichte.

Insgesamt war es ein richtig guter Tag für mich. Es bleibt dabei: Banneux tut mir einfach gut! Davon habe ich ja schon einmal hier berichtet. Ich könnte sagen, ich habe heute leise aber glückliche Stunden erlebt.

Einziger Wermutstropfen: Bei der Rückkehr hier einen Parkplatz zu finden, hat fast so lange gedauert, wie die Fahrtszeit für die Strecke Köln – Banneux. 🙁

Der zweite Tag in Jerusalem …

…war für mich besonders bewegend, vor allem der Besuch der Grabeskirche. Aus einem kurzen Gespräch mit dem begleitenden Pater hat sich ziemlich bald eine spontane Beichte entwickelt – genau unter der Kreuzigungskapelle. Eigentlich gibt es keinen besseren Ort dafür. Das war eines der großen Geschenke dieser Zeit für mich.

Außer der Grabeskirche haben wir auch noch die Kirche St. Peter in Gallicantu, den Abendmahlssaal und die Dormitio-Kirche besucht.

Bei Wikipedia findet sich übrigens eine Liste der Kirchengebäude in Jerusalem

Bilder im Kopf

Jetzt bin ich also zurück von meiner Israelreise und habe auch die Fotos gesichtet und ca. 200 davon zur Archivierung aussortiert. Es sind schöne Erinnerungen, die ich auch mit anderen teilen kann. Doch die wichtigsten Augenblicke habe ich nicht auf Fotos gebannt.

Die wichtigsten Bilder habe ich im Kopf. Sie kamen mir auch heute Morgen in der Messe ins Bewusstsein, und ich bin froh, in diesen Augenblicken keinen Fotoapparat in der Hand gehabt zu haben – vor allem in der Kreuzigungskapelle, bei der Beichte in der Adamskapelle darunter und in der Geburtsgrotte.

Es werden hier sicher noch Fotos und der eine oder andere Bericht folgen, aber das Wichtigste bleibt wohl unbeschreibbar und nicht vorweisbar – und ich bin froh darum.

Morgendliche Gedankengänge

Am Morgen nach einer spätabendlichen Beichte kann man schonmal seltsame Überlegungen haben. Es liegt ja in der Natur der Beichte, dass man sich dort mit den eher unschönen Seiten der eigenen Person befasst. Und während ich so mit einem Kaffee in der Hand darüber sinniert habe, ob es für mein Umfeld nicht viel besser wäre, wenn es nicht meine Macken mittragen müsste (und ich mich deshalb eventuell an der ein oder anderen Stelle rausziehen sollte), fällt mein Blick auf das Kreuz das dort im Garten steht – und mir fällt ein, dass Jesus nicht gekommen ist, damit ich möglichst wenig Unheil anrichte, sondern…

“…Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.” (Johannesevangelium 10, 10)

Dafür ist er am Kreuz gestorben. Sich selbst gedanklich auf’s Abstellgleis zu schicken, wäre wohl krasser Undank und Missachtung seiner Liebe. Eine morgendliche Lektion, dass das Nachdenken über die Fehler und Unzulänglichkeiten nicht dazu da ist, mich runterzuziehen, sondern mit Seiner Hilfe zur Fülle zu gelangen. Beichte ist dazu wohl auch ein ganz gutes Hilfsmittel. Danke für die Erinnerung!