Online

Text aus dem Jahr 2001 – da hatte ich noch ein Modem 🙂

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onlineKennen Sie das? Gerade ist man mit viel Mühe ins Internet gekommen – bei meinem Provider kann das zur Zeit durchaus mal eine halbe Stunde dauern – und dann, möglichst bei einem größeren Download, höre ich ein akustisches Zeichen und die Meldung: Verbindung unterbrochen. Also muss ich es noch mal versuchen. Natürlich ist bei den ersten 15 Malen wieder besetzt.

An sich ist das ganze zwar lästig, aber nicht besonders schlimm. Einen abgebrochenen Download kann man – wenn man die entsprechende Software hat – wieder aufnehmen, oder man fängt einfach von vorne an. Das kostet zwar Zeit und natürlich auch Geld, aber so ist das eben. Man hat sich damit abgefunden.

Eine etwas andere Erfahrung habe ich gemacht, als ich für etwa 2 ½ Stunden wegen Handwerkern nicht in mein Büro konnte. Das bedeutete: Kein Zugang zum Computer und damit zum gesamten Netzwerk. “Dann arbeiten Sie eben offline”, meinte mein Chef. Kein Problem, dachte ich, schließlich habe ich ja noch meinen Laptop dabei. Es war aber doch ein Problem. Mit dem Laptop kann ich zwar überall arbeiten, aber ich habe eben keinen Netzwerkzugang, kein Internet und auch über Diskette lassen sich noch keine Daten austauschen, weil das Laufwerk noch nachbestellt werden musste. Trotz technischer Ausrüstung konnte ich also meine Arbeit nicht tun. Aus purer Verzweiflung habe ich dann diesen Text geschrieben. Was sollte ich auch sonst machen?

Das Motto der Heilsarmee in diesem Jahr (2001) heißt: “Online mit Gott”. Meine Situation an diesem Tag hat mir sehr deutlich illustriert, was geschieht, wenn man eben nicht online – also in Verbindung – mit Gott ist. Jesus hat es im Johannesevangelium (Kapitel 15, Vers 5) so ausgedrückt:

“Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer bei mir bleibt, in dem bleibt mein Leben, und er wird viel Frucht tragen. Wer sich aber von mir trennt, kann nichts ausrichten.” (Bibelübersetzung “Hoffnung für alle”)

Vielleicht denken Sie jetzt: “Ich habe viele Gaben, ich kann vieles alleine, Gott ist nur etwas für Schwache und Unsichere.” Doch wie gesagt: Mit der besten technischen Ausrüstung – mit den besten Gaben und Voraussetzungen kann man nicht das tun, wozu man geschaffen ist. Genau so, wie ich mit meinem guten, neuen Laptop nicht meine Arbeit tun konnte. Ich konnte mich wohl – mehr oder weniger sinnvoll – beschäftigen, aber meine eigentliche Arbeit musste liegen bleiben. Ein Leben ohne die Verbindung mit Gott geht also am eigentlichen Ziel vorbei. Und das ist gravierender als zwei Stunden Arbeitsausfall.

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Domino-Day

Ein Text aus dem Jahr 2002:

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domino01Im Jahr 2001 wurde ein neuer Weltrekord aufgestellt. Mehr als 2.977.000 Dominosteine wurden kunstvoll zu Fall gebracht. Viele haben mit den Erbauern dieser verschiedenen Kunstwerke mitgefiebert und ihre Leistung bewundert. Was wir da zu sehen bekamen, hatte mit dem ursprünglichen Domino-Spiel nicht mehr viel zu tun – um so mehr allerdings mit dem sprichwörtlichen Domino-Effekt: An einer Stelle angestoßen, wirft ein Stein den nächsten um. Nach und nach sind dann die Bilder und Logos zu sehen, die vorher vorbereitet wurden. Um so enttäuschender, wenn es dann nicht funktioniert und man lediglich erraten kann, wie es hätte aussehen sollen.

So war es dann auch Anfang dieses Monats (November), als versucht wurde, den bisherigen Rekord, der in China aufgestellt wurde zu brechen. Mehr als 3,1 Millionen Steine wurden aufgebaut, in vielen verschiedenen Projekten und Motiven. Aber an manchen Stellen wollte es nicht richtig funktionieren. Fast 200.000 Steine blieben stehen – trotz sogenannter Rettungslinien, die als Alternativen gedacht waren. Manchmal genügte es, dass ein einziger Stein nicht planmäßig fiel, und schon konnte es ein, dass ganze Motivteile stehen blieben. Zum Schluss war es sogar fraglich, ob die erforderliche Anzahl erreicht werden würde.

Der Rekord wurde gebrochen, trotz einiger Pannen.

Kleine Ursache – Grosse Wirkung! Das ist allerdings nicht nur bei Domino-Steinen so. Mich erinnerte das an unser Leben als Christen. So könnte ich z.B. denken, es sei gleichgültig, ob ich meinen Platz ausfülle, oder? Bei so vielen Leuten fällt das doch gar nicht auf. Und sicher gibt es jemanden, der diesen Platz dann irgendwie ausfüllt. Doch es kommt eben auf den einzelnen an. Auch wenn Gott vieles trotz allem gelingen lässt, es wird dennoch nicht unbedingt das ganze Bild in seiner Schönheit erkennbar. Für jeden einzelnen hat Gott einen Platz und eine Aufgabe vorgesehen.

Die Bibel benutzt da ein anderes Bild:

“Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.” (1. Petrusbrief 2,5 )

Hier geht es auch um Steine – keine Steine, die fallen, sondern Steine, die ihren Platz im Gebäude einnehmen sollen. Aber die Aussage bleibt die gleiche: Gott hat mich – hat Sie – an eine bestimmte Stelle berufen, die genau richtig ist. Und es ist nicht egal, ob dieser Platz eingenommen wird oder nicht.

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Rückspiegel

Passend zur Reisezeit einen weiteren älteren Text – ca. 2002:

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auto1Bei langen Fahrten auf der Autobahn begegne ich immer wieder den unterschiedlichsten Fahrern. Da sind die Vorsichtigen, die mit konstanten 100 km/h selbst bei freier Strasse sich unbeirrt (mehr oder eher weniger) voranbewegen. Da gibt es andererseits aber auch die Drängler, die mit meist entsprechend großen Autos alles aus der Bahn bugsieren wollen, was nicht ganz so schnell vorankommt wie sie selbst es könnten – wenn eben nur nicht der lästige Vordermann wäre. Eine weitere “Spezies” unter den Autofahrern hat Mühe damit, wenn sie überholt werden. Andere sind einfach nur unachtsam, abgelenkt, risikofreudig, gedankenlos oder auch unsicher. Jemand hat einmal die Autobahn die “größte offene Psychiatrie” genannt.

Wer also ohne Karambolagen sicher an sein Ziel gelangen will, kommt nicht umhin, auch die Autofahrer um sich herum abschätzen zu müssen. Auf langen Fahrten habe es ich mir auch zum Zeitvertreib angewöhnt zu überlegen, welcher Fahrer wie fährt. Und dann, wenn ich zum Beispiel überhole oder überholt werde, sehe ich nach, ob ich recht hatte. Wer sind die Leute, die so unsicher vor mir her schleichen? Wer die, die mir bei 150 km/h fast auf der Stoßstange sitzen? Ist es eine Frau, ein Mann? älter oder jünger? Mittlerweile ist meine Trefferquote dabei recht hoch.

Leider kann ich es mir selten verkneifen, immer wieder in den Rückspiegel zu schauen, wenn sich mal wieder ein dicker Wagen an meine Stoßstange heftet. Dann lasse ich mich beeinflussen und trete selbst aufs Gaspedal – lasse mich drängeln. Zwar wäre es meinem Hintermann dann lieber, ich würde einfach zur Seite fahren, aber das wiederum will ich nicht. Nicht selten habe ich durch meine Fixierung nach hinten erst recht spät gesehen, wenn es vorne eben nicht so schnell voran geht, wie ich dachte, oder wenn jemand abbremst. Oft bin ich dabei nur knapp einem Unfall entgangen.

Der Blick nach hinten, oder zur Seite auf die anderen um mich herum hat mich also in Gefahr gebracht, weil er einen zu großen Raum einnahm. Natürlich ist es wichtig, das Umfeld wahrzunehmen, aber wenn es mich von dem ablenkt, was vor mir geschieht, dann wird es gefährlich. Ich muss also vor allem in die Richtung sehen, in die ich mich bewege, sonst kommt es zum Unfall.

Diese Gedanken haben mich bewegt, als ich wieder einmal einige hundert Kilometer Autobahn zu fahren hatte. Es hat mich an einen Satz aus der Bibel erinnert: “Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.” (Lukas 9, 62). Auch im Leben als Christen kann es also zu “Unfällen” kommen, wenn der Blick zu sehr auf das gerichtet ist, was hinter mir liegt, oder was andere um mich herum tun, statt nach vorne in die Richtung, in die ich gehen will.

Vor kurzem habe ich eine Jubiläumsveranstaltung in einem Heilsarmeekorps besucht, und dort habe ich etwas ähnliches gehört: Nicht nur Rückblick, sondern vielmehr Ausblick auf das, was Gott noch alles mit uns vorhat. Und vor allem: Blick auf Gott selbst, damit er uns mit seinen Augen leiten kann, wie er es möchte: “Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.” (Psalm 32, 8)

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Ist der Sonntag museumsreif?

Aus der Reihe der älteren Texten – etwa um 2000 geschrieben:

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“Kirchgang oder Sonntagsbraten, Spaziergang oder Sportereignis: kein anderer Wochentag hat eine solche Fülle von Ritualen und Gewohnheiten hervorgebracht wie der Sonntag. Sonntags war Rollenwechsel angesagt: Abstand von der Monotonie des Alltags. Das zeigte man mit seiner Kleidung. Und das zeigte man auch in den Verhaltensmustern an diesem Tag.”

So fängt ein Artikel an, den ich vor kurzem in einer Fernsehzeitschrift gesehen habe. Da gibt es eine spezielle Ausstellung, die sich mit dem Sonntag befasst. “Ist der Sonntag museumsreif?” Ist die Frage, die sich der Autor des Artikels stellt. – Nicht ganz unberechtigt, wie ich meine.

In der immer wieder neu eröffneten erhitzen Debatte um den verkaufsoffenen Sonntag gibt es die unterschiedlichsten Meinungen: Von “Jeder soll am Sonntag alles tun dürfen” bis hin zu “am Sonntag hat man lediglich in die Kirche zu gehen und sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, sonst nichts!”

Auch die Menschen zur Zeit Jesu hatten so ihre Probleme mit dem Ruhetag. Da war es zwar nicht der Sonntag, sondern der Samstag (Sabbat), aber die Streitpunkte waren nicht unbedingt so anders.

Markus 3, 3 – 5:

“Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor! Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen still. Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde gesund.”

Jesus stellt den Menschen über den Sabbat. Der Ruhetag soll dem Menschen dienen, nicht ihn einengen. In den Augen Gottes hat der Formalismus keinen Platz, wenn er die Barmherzigkeit an den Rand drängt.

Auch heute gibt es einen solchen Formalismus. Es gibt immer wieder Leute, die meinen anderen sagen zu müssen, was am Sonntag geht und was nicht. Wichtiger wäre es, den eigenen Umgang mit dem “Tag des Herrn” zu überprüfen.

Um kreativ – also schöpferisch – tätig zu sein, braucht er den Kontakt zu seinem Schöpfer. Dass Jesus gesagt hat, der Sabbat ist für den Menschen da, heißt eben auch, dass der Mensch diesen Ruhetag, diesen “Tag des Herrn” braucht und ihn nicht ohne Folgen vernachlässigen kann. Selbst in der Extremsituation des Volkes Israels in der Wüste hat Gott selbst es so eingerichtet, dass das Volk seinen Sabbat hatte, so wichtig war ihm die Möglichkeit seines Volkes, sich auf seinen Gott zu besinnen.

Wo stehen wir heute? Auf der Seite der Formalisten, die anderen vorschreiben wollen, was sie am Sonntag zu tun oder zu lassen haben. Auf der Seite derer, die sich andererseits lediglich über einen freien Tag freuen? Oder stehen wir auf der Seite derer, die entspannt mit diesem Tag umgehen, weil sie ihn in Gottes Gegenwart leben und so seine Gaben wirklich genießen können? Nutzen wir diesen freien Tag um Zeit mit Gott zu verbringen und mit denen, die er uns an die Seite gestellt hat?

Ist der Sonntag museumsreif? Wohl kaum, nur müssten wir ihn vielleicht wieder neu mit Inhalten füllen. Ich wünsche Ihnen und auch mir, dass wir wieder ganz neu lernen, diesen Tag als so zu erleben, wie er gedacht war: als Freiraum für die Begegnung mit Gott, unserem Schöpfer und Vater. Dann kann er wieder Oase und Kraftquelle in unserem Alltag werden.

“Wenn…”

termine2Wenn …

  • diese Arbeit erledigt ist,

  • der Berg abgearbeitet ist,

  • ich diese Stellung, dieses Ansehen, dieses Auto habe,

  • ich Urlaub habe,

  • ich in Rente bin,

  • ich dies oder das erreicht habe,

  • ich mir dieses oder jenes leisten kann,

  • die Kinder älter sind,

  • ich diesen oder jenen nicht mehr sehen muss,

  • die Umstände anders sind,

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dann …

  • werde ich mir Zeit zum Gebet nehmen.

  • werde ich mir mehr Stille gönnen

  • werde ich Ruhe haben

  • werde ich Frieden finden

  • werde ich diesen oder jenen besuchen

  • werde ich Freundschaften knüpfen und pflegen

  • werde ich mich für andere einsetzen

  • werde ich mein Hobby wieder pflegen

  • werde ich die Natur genießen können

  • beginne ich zu leben.

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DU NARR!

Lukas 12, 19 – 20a (EÜ): “Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens. Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! …”

Die Freiheit, da ist keine Not:
Wohin man sieht, schlägt sie wer tot.
Doch wie die Freizeit totzuschlagen,
muss man den Leuten eigens sagen.

Eugen Roth

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Leben im Überfluss

Die Werbung hat es mir offenbar angetan. Aus der Reihe der älteren Texte – etwa um 2000 geschrieben:

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lebenVor einiger Zeit sah ich dieses Werbeplakat. “Leben im Überfluss”, welch ein grosses Versprechen! Den “Überfluss” macht dabei ein Milchshake – halbe(!) Grösse – aus. Es ist mir neu, dass wir neuerdings so bescheiden geworden wären. Sonst lautet doch eher die Devise: “Ich will alles und zwar sofort”. Jeder will “etwas vom Leben haben”. Doch wer von Geschaffenem erwartet, die Leere auszufüllen, die nur der Schöpfer selbst ausfüllen kann, wird zwangsläufig “ent-täuscht” werden. Das heisst, er wird irgendwann seine Täuschung erkennen – hoffentlich noch rechtzeitig.

Jesus verspricht da etwas ganz anderes (Johannesevangelium 10,10b): “Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.” Das ist schon etwas anderes, als ein halber Milchshake. Nicht nur “etwas” vom Leben, sondern das ganze Leben in der Beziehung zu Jesus Christus, das ist also möglich. Oft sind wir aber so beschäftigt mit allen möglichen wichtigen Angelegenheiten, dass wir gar nicht mehr dazu kommen, uns um diese Beziehung zu kümmern: “Lieber der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach”, und wer unzufrieden ist, sucht sich eben Ersatzbefriedigungen.

Die Diskussionen um den verkaufsoffenen Sonntag zeigen ebenfalls das ganz deutlich. Doch wir sind dabei, uns einen Schutzraum selbst zu zerstören; einen Raum, in dem es einmal nicht ums Geldverdienen geht, in dem wir frei sind, um über andere Werte nachzudenken. Es ist dabei die Frage, ob wir nicht wesentlich mehr verlieren, als wir jemals gewinnen könnten. Erwarten wir doch nicht von materiellen Gütern, was nur Gott uns schenken kann! Oder, um es mit den Worten der Bibel zu sagen:

“Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?” (Matth. 16, 26)

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Werbepausen

Aus der Reihe der älteren Texten – etwa um 2000 geschrieben:

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Werbung

Einfach mal so in der Stadt ‘rumhängen…

Kennen Sie Werbung? Ja, genau das, was sich da immer wieder so störend zwischen uns und unseren Lieblingsfilm schiebt. Meistens nimmt man sie gar nicht so sehr wahr, oder man nutzt sie, um noch schnell etwas zum Knabbern zu holen. Die Wenigsten sehen sie sich bewußt an. Das merke ich immer dann, wenn ich Freunde auf eine bestimmte Werbung hin anspreche. Meist wird sie erst anschließend wirklich wahrgenommen. Nun werden ja mittlerweile kaum noch “Produkte” verkauft. Vielmehr verkauft man Einstellungen, Haltungen oder ein gewisses “Feeling”, also ein Lebensgefühl und verbindet diese dann mit einem Produkt. Das Fatale daran ist, dass wir oft nicht einmal registrieren, welche Einstellungen uns da verkauft werden.

Seit einiger Zeit sehe ich mir also auch die Werbung etwas bewusster an und ich bin erstaunt, was dort unwidersprochen über unseren Bildschirm läuft. Da wird zum Beispiel die Lüge zur Cleverness, gleichgültig, ob man den Chef oder gar die eigenen Kinder belügt. Betrug wird salonfähig und sogar erstrebenswert, denn er wird mit Intelligenz und Gewandtheit gleichgesetzt.

Zuerst musste ich schmunzeln, und das war wahrscheinlich auch die erwünschte Reaktion der Werbefachleute. Dann kam ich aber doch ins grübeln: Warum reagieren wir nicht mehr auf ein solches Verhalten? Spiegelt es vielleicht doch nur unsere bereits gewohnten Handlungen und Haltungen wieder? Was hat sich da bei uns schon eingeschlichen? Und mit welchen Ausreden verteidigen wir es? Wird das, was doch alle tun, etwa dadurch akzeptabel? Eine große Herausforderung war ein Bibelvers, über den ich in der letzten Zeit nachdachte: “Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittre süß und das Süße bitter machen.” (Jesaja 5, 20)

Vielleicht können wir nichts dagegen tun, dass solche fragwürdigen Haltungen propagiert werden. Doch mit Sicherheit können wir etwas gegen diese “Euphemismen” in unserem eigenen Leben tun. Wir können und sollen die Dinge beim Namen nennen. Dann können sie auch korrigiert werden. Über allen Ausreden steht das “Weh denen…” Gottes, der sich nicht durch schöne Worte beeindrucken läßt. Gott nennt die Finsternis auch Finsternis, aber er kann sie in Licht verwandeln – auch in unserem Leben. Im Gegensatz zu uns ändert er nicht einfach das Etikett, sondern die Substanz und schenkt damit echten Wert. An uns liegt es, ob wir uns dem aussetzen, oder ob wir lieber mit unserem eigenen “Etikettenschwindel” leben.

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