Lagerbildung oder „Wer polarisiert hier eigentlich?“

Tauziehen

Meinungsstarken Personen – vor allem wenn deren Meinung nicht dem erwünschten Mainstream entspricht – werden gerne einmal Polarisierungstendenzen vorgeworfen. Meist folgt diesem Vorwurf aber nicht etwa eine Auseinandersetzung mit den Argumenten und Positionen, sondern eine Einordnung in Lager

  • da zählt nicht mehr was veröffentlicht wird, sondern wo veröffentlicht wird
  • und wer da sonst noch veröffentlicht
  • und wer aus dem Freundeskreis bzw. Bekanntenkreis evtl. Unliebsames geäußert hat
  • und welcher unliebsame Zeitgenosse Ähnliches von sich gegeben hat (und sei es nur, dass das Gras grün und der Himmel blau sei)
  • oder wer sich dadurch bestärkt fühlen könnte…

Nicht Sachargumente, Wahrheit oder Plausibilität zählen, sondern

  • „Zu wem hältst du eigentlich?“
  • „Du kannst doch so jemanden nicht verteidigen!“
  • „So argumentieren auch …“

Ideologisierung und Lagerdenken kommen allzu häufig genau von denen, die anderen vorwerfen zu polarisieren. Gepaart mit diffamierenden Begrifflichkeiten und Zuordnungen, ist das ein probates Mittel, sich erst gar nicht mit den unerwünschten Meinungen auseinander setzen zu müssen.

Ich bin auch nicht glücklich über ‚Applaus von falscher Seite‘, aber in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft müsste es doch möglich sein, Argumente und Realitäten von Sippenhaft zu unterscheiden.

Freitag, katholischer Veggie-Day

Der Vorstoß der Grünen, einen verpflichtenden Veggie-Day in öffentlichen Kantinen einführen zu wollen, ist bereits von vielen Seiten kommentiert worden. Vorgeschlagen wird dafür der Donnerstag.

Als Katholikin habe ich den Veggie-Day schon lange – am Freitag. Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier die Umerziehung nicht nur auf den Fleischkonsom zielen, sondern auch christlich begründete Traditionen ersetzen soll.

Nudelsalat

Mein Veggie-Day heute 🙂

Ist der Sonntag museumsreif?

Aus der Reihe der älteren Texten – etwa um 2000 geschrieben:

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„Kirchgang oder Sonntagsbraten, Spaziergang oder Sportereignis: kein anderer Wochentag hat eine solche Fülle von Ritualen und Gewohnheiten hervorgebracht wie der Sonntag. Sonntags war Rollenwechsel angesagt: Abstand von der Monotonie des Alltags. Das zeigte man mit seiner Kleidung. Und das zeigte man auch in den Verhaltensmustern an diesem Tag.“

So fängt ein Artikel an, den ich vor kurzem in einer Fernsehzeitschrift gesehen habe. Da gibt es eine spezielle Ausstellung, die sich mit dem Sonntag befasst. „Ist der Sonntag museumsreif?“ Ist die Frage, die sich der Autor des Artikels stellt. – Nicht ganz unberechtigt, wie ich meine.

In der immer wieder neu eröffneten erhitzen Debatte um den verkaufsoffenen Sonntag gibt es die unterschiedlichsten Meinungen: Von „Jeder soll am Sonntag alles tun dürfen“ bis hin zu „am Sonntag hat man lediglich in die Kirche zu gehen und sich mit Gottes Wort zu beschäftigen, sonst nichts!“

Auch die Menschen zur Zeit Jesu hatten so ihre Probleme mit dem Ruhetag. Da war es zwar nicht der Sonntag, sondern der Samstag (Sabbat), aber die Streitpunkte waren nicht unbedingt so anders.

Markus 3, 3 – 5:

„Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor! Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen still. Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde gesund.“

Jesus stellt den Menschen über den Sabbat. Der Ruhetag soll dem Menschen dienen, nicht ihn einengen. In den Augen Gottes hat der Formalismus keinen Platz, wenn er die Barmherzigkeit an den Rand drängt.

Auch heute gibt es einen solchen Formalismus. Es gibt immer wieder Leute, die meinen anderen sagen zu müssen, was am Sonntag geht und was nicht. Wichtiger wäre es, den eigenen Umgang mit dem „Tag des Herrn“ zu überprüfen.

Um kreativ – also schöpferisch – tätig zu sein, braucht er den Kontakt zu seinem Schöpfer. Dass Jesus gesagt hat, der Sabbat ist für den Menschen da, heißt eben auch, dass der Mensch diesen Ruhetag, diesen „Tag des Herrn“ braucht und ihn nicht ohne Folgen vernachlässigen kann. Selbst in der Extremsituation des Volkes Israels in der Wüste hat Gott selbst es so eingerichtet, dass das Volk seinen Sabbat hatte, so wichtig war ihm die Möglichkeit seines Volkes, sich auf seinen Gott zu besinnen.

Wo stehen wir heute? Auf der Seite der Formalisten, die anderen vorschreiben wollen, was sie am Sonntag zu tun oder zu lassen haben. Auf der Seite derer, die sich andererseits lediglich über einen freien Tag freuen? Oder stehen wir auf der Seite derer, die entspannt mit diesem Tag umgehen, weil sie ihn in Gottes Gegenwart leben und so seine Gaben wirklich genießen können? Nutzen wir diesen freien Tag um Zeit mit Gott zu verbringen und mit denen, die er uns an die Seite gestellt hat?

Ist der Sonntag museumsreif? Wohl kaum, nur müssten wir ihn vielleicht wieder neu mit Inhalten füllen. Ich wünsche Ihnen und auch mir, dass wir wieder ganz neu lernen, diesen Tag als so zu erleben, wie er gedacht war: als Freiraum für die Begegnung mit Gott, unserem Schöpfer und Vater. Dann kann er wieder Oase und Kraftquelle in unserem Alltag werden.

Werbepausen

Aus der Reihe der älteren Texten – etwa um 2000 geschrieben:

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Werbung

Einfach mal so in der Stadt ‚rumhängen…

Kennen Sie Werbung? Ja, genau das, was sich da immer wieder so störend zwischen uns und unseren Lieblingsfilm schiebt. Meistens nimmt man sie gar nicht so sehr wahr, oder man nutzt sie, um noch schnell etwas zum Knabbern zu holen. Die Wenigsten sehen sie sich bewußt an. Das merke ich immer dann, wenn ich Freunde auf eine bestimmte Werbung hin anspreche. Meist wird sie erst anschließend wirklich wahrgenommen. Nun werden ja mittlerweile kaum noch „Produkte“ verkauft. Vielmehr verkauft man Einstellungen, Haltungen oder ein gewisses „Feeling“, also ein Lebensgefühl und verbindet diese dann mit einem Produkt. Das Fatale daran ist, dass wir oft nicht einmal registrieren, welche Einstellungen uns da verkauft werden.

Seit einiger Zeit sehe ich mir also auch die Werbung etwas bewusster an und ich bin erstaunt, was dort unwidersprochen über unseren Bildschirm läuft. Da wird zum Beispiel die Lüge zur Cleverness, gleichgültig, ob man den Chef oder gar die eigenen Kinder belügt. Betrug wird salonfähig und sogar erstrebenswert, denn er wird mit Intelligenz und Gewandtheit gleichgesetzt.

Zuerst musste ich schmunzeln, und das war wahrscheinlich auch die erwünschte Reaktion der Werbefachleute. Dann kam ich aber doch ins grübeln: Warum reagieren wir nicht mehr auf ein solches Verhalten? Spiegelt es vielleicht doch nur unsere bereits gewohnten Handlungen und Haltungen wieder? Was hat sich da bei uns schon eingeschlichen? Und mit welchen Ausreden verteidigen wir es? Wird das, was doch alle tun, etwa dadurch akzeptabel? Eine große Herausforderung war ein Bibelvers, über den ich in der letzten Zeit nachdachte: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen, die das Bittre süß und das Süße bitter machen.“ (Jesaja 5, 20)

Vielleicht können wir nichts dagegen tun, dass solche fragwürdigen Haltungen propagiert werden. Doch mit Sicherheit können wir etwas gegen diese „Euphemismen“ in unserem eigenen Leben tun. Wir können und sollen die Dinge beim Namen nennen. Dann können sie auch korrigiert werden. Über allen Ausreden steht das „Weh denen…“ Gottes, der sich nicht durch schöne Worte beeindrucken läßt. Gott nennt die Finsternis auch Finsternis, aber er kann sie in Licht verwandeln – auch in unserem Leben. Im Gegensatz zu uns ändert er nicht einfach das Etikett, sondern die Substanz und schenkt damit echten Wert. An uns liegt es, ob wir uns dem aussetzen, oder ob wir lieber mit unserem eigenen „Etikettenschwindel“ leben.