Weihnachtsdarstellungen aus dem Museum

Vor einiger Zeit habe ich das Museum Schnütgen besucht, in dem sakrale Kunst des Mittelalters gezeigt wird. Aus meinen Fotos habe ich hier mal ganz unterschiedliche Weihnachtsdarstellungen zusammengestellt – von einer Altarpredella über Kirchenfenster bis zur Paramentenstickerei:

Dum medium silentium …

»Dum medium silentium tenerent omnia, et nox in suo cursu medium iter haberet omnipotens sermo tuus, Domine, de caelis a regalibus sedibus venit.« »Als tiefes Schweigen das All umfing
und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da stieg dein allmächtiges Wort, Herr,
vom Himmel herab, vom königlichen Thron.«

»Die Mutter hat den König geboren, dessen Name ewig ist, und hat die Freuden der Mutter und die Ehre der Jungfrau;« – »und sie hatte vorher nicht ihresgleichen noch wird ihr eine Ähnliche folgen, alleluja!«

Über dem Himmelsgewölbe steht zwischen den Bäumen des Paradieses der Thron Christi, des Königs und Hohepriesters, der am jüngsten Tag zum zweiten Mal zur Erde kommt.

O Emmanuel, …

Der Berg Sinai mit den Gesetzestafeln weist auf Gottes Bund mit Israel hin (vgl. Ex 31,18)

»O Emmanuel,
Rex et legifer noster,
expectatio gentium,
et salvator earum:
veni ad salvandum nos,
Domine, Deus noster.«

»O Emmanuel,
Gott mit uns. Du König und Lehrer,
du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
Herr, unser Gott!«

»Lasst uns gerecht und fromm leben, die selige Hoffnung erwartend und die Ankunft des Herrn.« – »In Sion werde ich das Heil verleihen und in Jerusalem meine Herrlichkeit.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Über der Stadt Bethlehem verkündet der Stern die Ankunft Christi (vgl. Mt 1,9)

O Rex Gentium, …

Der „Eckstein Jesus Christus“ (vgl. Eph 2,20) verbindet Israeliten und Heiden zur einen Kirche.

»O Rex Gentium,
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.«

»O König der Völker,
den sie alle ersehnen.
Du Eckstein, der das Getrennte eint.
Komm, o Herr, und befreie den Menschen,
den du aus Erde erschaffen hast.«

»Vernehmet, wie herrlich jener ist, der einhergeht, die Völker zu retten.« – »Gemehrt wird Sein Reich und des Friedens wird kein Ende sein.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Die drei Könige bringen „Gold dem höchsten Herrscher, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis“. (Hl. Gregor der Große)

O Oriens, …

Christus, die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit (vgl. Mal 4,2), vertreibt die Beherrscher der Welt: Tod und Sünde.

»O Oriens,
splendor lucis aeternae,
et sol justitiae,
veni, et illumina
sedentes in tenebris
et umbra mortis.«

»O Aufgang,
Glanz des ewigen Lichtes,
du Sonne der Gerechtigkeit,
komm, o Herr, und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes.«

»Seid beständig: Ihr werdet über euch die Hilfe des Herrn sehen.« – »Gott wird vom Libanon kommen und sein Glanz wird gleich dem Lichte sein.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Ochs und Esel an der Krippe deuten den Opfertod Jesu und seine Demut an.

O Clavis David, …

Der Schlüssel mit dem Davids-Monogramm und das Szepter deuten auf die Verheißung, der Messias werde von David abstammen. (vgl. 2 Sam 7)

»O Clavis David,
et sceptrum domus Israël,
qui aperis, et nemo claudit,
claudis, et nemo aperuit:
veni, et educ vinctum
de domo carceris,
sedentem in tenebris,
et umbra mortis.«

»O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand schließt,
du schließest und niemand öffnet.
Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker
den Gefangenen, der da sitzt in Finsternis
und im Schatten des Todes.«

»Von Sion wir kommen der Herr, der Allmächtige, um sein Volk zu retten« – »Wende Dich uns ein wenig zu, o Herr, und zögere nicht, zu Deinen Dienern zu kommen.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der hl. Joseph war, ebenso wie Maria, ein Nachkomme Davids (vgl. Mt 1,5-16)

O Radix Jesse, …

Aus Jesse, dem Vater König Davids, gehen die Ahnen Marias und Jesu hervor (vgl. Lk 3, 23-32)

»O Radix Jesse,
qui stas in signum populorum,
super quem continebunt reges os suum,
quem gentes deprecabuntur:
veni ad liberandum nos,
jam noli tardare.«

»O Wurzel Jesse,
gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen,
zu dir rufen die Völker.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
zögere nicht länger.«

»Die Propheten sagten voraus, der Erlöser werde aus der Jungfrau Maria geboren werden« – »Der Geist des Herrn ruht auf mir: den Armen die frohe Botschaft zu bringen, sandte er mich.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Maria ist im byzantinischen Ikonentypus der „Muttergottes vom Zeichen“ dargestellt.

O Adonai, …

Im brennenden Dornbusch erscheint Gott dem Hirten Moses (vgl. Ex 3)

»O Adonai,
et dux domus Israël,
qui Moyse in igne flammae rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos in brachio extento.«

»O Herr
und Fürst des Hauses Israel,
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.«

»Tauet, ihr Himmel, von oben; ihr Wolken, regnet den Gerechten! Die Erde tue sich auf und sprosse den Heiland hervor!« – »Sende aus das Lamm, o Herr, den Beherrscher der Erde, vom Felsen der Wüste zum Berge der Tochter Sion!«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der Hirt von Bethlehem eilt mit seinen Schafen zur Krippe (vgl. Lk 2)

O Sapientia, …

»Die Weiseheit hat sich ein Haus gebaut, hat sieben Säulen aufgestellt« (Spr 9,1)

»O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia;
veni ad docendum nos viam prudentiae.«

»O Weisheit,
hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt,
und freundlich ordnest du alles.
Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.«

»Siehe, kommen wird der Herr, der Herrscher der Könige der Erde; selig, die bereit sind.« – »Wenn der Menschensohn kommen wird: meinst Du, er wird auf Erden Glauben finden?«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der Weihnachtsengel, als Diakon gekleidet, verkündet die Ankunft des göttlichen Wortes. (vgl. Lk 2,9)

Näher hinschauen

Der Sonntagsausflug führte zum Arp-Museum in Remagen zur Ausstellung “Im Japanfieber – Von Monet bis Manga”.

Ganz unabhängig vom eigentlichen Thema hat mich etwas Anderes fasziniert. Mir sind zum ersten Mal Bilder begegnet, die dem Pointillismus zugerechnet werden, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Erinnert haben sie mich an den Vierfarbdruck von Fotos in Zeitschriften.

Angeregt durch diese Bilder bin ich der Frage nachgegangen, wie sie sich in ihrer Wirkung verändern ja nach Abstand und/oder Ausschnitt. Es gab Bilder, bei denen man nur durch ausreichend Abstand oder je nach Blickwinkel erkennen konnte, was sie darstellen. Andere zeigen eher aus der Nähe ihre Brillanz und Tiefe. Wieder andere Bilder faszinieren durch Detailreichtum auf kleinster Fläche.

Ich bin nun wirklich nicht annähernd Fachfrau, was die Kunst betrifft. Ähnlich wie beim Wein gibt es für mich nur zwei Kategorien: “Gefällt mir / spricht mich an” oder “gefällt mir nicht / spricht mich nicht an”. Ich fand es spannend, jenseits von gelehrten Kategorien und Fachjargon herauszufinden, was mich den “anspricht” und was nicht. Näher hinzuschauen, die Perspektive zu verändern hat dabei geholfen.

Bei diesem Bild war es zum Beispiel die unterschiedliche Plastizität der Darstellung und die etwas unterschiedliche Perspektive von dargestelltem Raum und dargestellter Person.

Hanna(h)

Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. (Lukas 2, 36-38)

 

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Wir haben Dein Erbarmen bei uns aufgenommen

Lioba Munz | Evangeliar Dom Speyer 1984

Introitus:

O Gott, wir haben Dein Erbarmen bei uns aufgenommen inmitten Deines Tempels; wie Dein Name, o Gott, so reicht auch Dein Ruhm bis an die Grenzen der Erde; voll der Gerechtigkeit ist Deine Rechte.

Groß ist der Herr und allen Lobes würdig in unsres Gottes Stadt, auf Seinem heiligen Berge.

Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste. Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

O Gott, wir haben Dein Erbarmen bei uns aufgenommen …

(Übersetzung von der Website der Abtei Mariawald)

 

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