Große Aufregung um ein Großveranstaltungsticket

Das Angebot eines Veranstaltungstickets für den ‘Marsch des Lebens’ hat der Deutschen Bahn Einiges an Kritik beschert. Auf der Facebookseite der DB wird kritisiert, die Bahn fördere damit ‘militante Abtreibungsgegner’, die sich gegen das ‘Recht auf Selbstbestimmung’ stellen.

Abgesehen von der Diskussion um den Lebensschutz selbst, die ich für wichtig und notwendig halte, stelle ich eine reichlich verzerrte Wahrnehmung fest:

  • Wer tatsächlich ‘militant’ ist, kann man sehr gut selbst feststellen, wenn man sich Videoaufnahmen dieser Märsche ansieht und diverse Aufrufe der Gegendemonstranten. Die Aggression und Gewaltbereitschaft (auch aber nicht nur auf sprachlicher Ebene) liegen meist nicht auf der Seite der Lebensschützer.
  • Abtreibung ist in Deutschland immer noch verboten, wird aber unter gewissen Umständen nicht bestraft. Daraus ein RECHT abzuleiten halte ich für eine abenteuerliche Interpretation. Und da es kein Recht ist, kann auch kein Recht untergraben werden. Der ‘Marsch für das Leben’ plädiert also lediglich dafür, dass etwas nicht getan wird, was sowieso verboten ist. Wo ist das Problem? Ich sehe beim besten Willen nicht, wie man in diesem Zusammenhang von verfassungsfeindlichen Aktivitäten sprechen kann.

Sehr ausführlich hat sich Josef Bordat in einem Brief an den Vorsitzenden des Vorstands der DB geäußert: ‘Lassen Sie sich nicht aus der Bahn werfen!’ Sehr zu unterstützen!

Dissonanzen

“Geringe, schöne Dissonanzen erhöh’n die Harmonie des Ganzen” schreibt Eugen Roth. Dissonanzen streben nach Auflösung. Ein Musikstück, das in einem dissonanten Akkord endet, lässt eine Spannung zurück. Ich kenne Menschen – ich selbst gehöre dazu – die dann selbst anschließend die Auflösung spielen oder singen. Dissonanzen erhöhen die Harmonie offenbar nur dann, wenn sie auch aufgelöst werden.

Mit Dissonanzen in zwischenmenschlichen Beziehungen geht es mir ähnlich. Ohne Auflösung auf die eine oder andere Art bleibt eine Spannung bestehen, die sich im ungünstigsten Fall nicht nur nicht abbaut, sondern mit der Zeit sogar verstärkt. So spannend Dissonanzen also sind, ohne Auflösung ist es schwierig (zumindest für mich) damit umzugehen.

Auch von Eugen Roth:

“Ein Mensch, will er auf etwas pfeifen, darf sich im Tone nicht vergreifen.”