Niemand hat die Absicht, …

… die sakramentale Struktur der Kirche aufzugeben oder zu ändern!

Als ich vor 2 ½ Jahren das hier schrieb, hat mir ein schweizer Priester noch Verschwörungstheorien unterstellt: „Zölibatsdebatte und ‚Frauenfrage‘ – man spürt die Absicht und ist verstimmt“

Heute tritt es offen zutage:

Ein Jesuitenpater behauptet „Wir brauchen keine Priester und keine Priesterinnen“. Im selben Text nivelliert er auch noch die Transzendenz, leugnet ein Eingreifen Gottes in diese Welt und negiert letztlich die Gottheit Christi.

Solche Stimmen habe ich in letzter Zeit von verschiedenen Seiten häufiger vernommen. Und die Facebook-Präsenz von „Maria  2.0“ teilt den Artikel zustimmend mit Einfach. Nur. Wunderbar.“

Nachtrag: Am 4. August wurde auf derselben Facebook-Präsenz von Maria 2.0 auch noch ein Text geteilt, der das Christentum als Religion komplett in Frage stellt, die Gottheit Christi leugnet sowie überhaupt jede überzeitliche Wirklichkeit: „10 things about Christianity that Jesus would refute if he returned“ von Jim Palmer

Aber auch mein Vergleich der medienpräsenten Initiative „Maria 2.0“ mit einem Trojaner war natürlich nichts anderes als eine Verschwörungstheorie.

Außerdem hat natürlich auch niemand die Absicht, …

Maria 2.0 – Vorsicht Trojaner!

Tastenlöwe, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Fake-Update „Maria 2.0“ macht nun schon seit fast zwei Jahren von sich reden. Sollte es ursprünglich eigentlich – laut Werbung – dazu dienen, die Aufklärung der Missbrauchsfälle voranzutreiben, entpuppte es sich nach relativ kurzer Zeit eher als Trojaner.

Laut der Website eines Antivirus-Programms zeichnen sich Trojaner zum Beispiel durch Folgendes aus:

„Im Gegensatz zu anderen Arten von Malware, die nicht einmal versuchen vorzugeben, dass sie sicherer und freundlicher Natur sind, können Trojaner auf den ersten Blick schwieriger zu identifizieren sein.“

Ging es zu Beginn noch vermehrt um die Frage der Missbrauchs-Aufklärung, wurde das Thema zusehends zum reinen Stichwortgeber. Es gibt allenfalls noch lose sprachliche Verknüpfungen mit Phrasen wie „Angesichts des Missbrauchsskandals“ oder „Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals“ etc., und dann kommen Forderungen, die damit nur noch sehr bedingt etwas zu tun haben. Oder Forderungen, denen rundum zuzustimmen ist – wie zum Beispiel die nach lückenloser Aufklärung – werden sprachlich untrennbar mit Forderungen verknüpft, die die Verfassung der Kirche komplett auf den Kopf stellen.

Das Einrichten von Hintertürchen: Üblicherweise führen Trojaner Änderungen an Ihrem Sicherheitssystem durch, sodass sich dann auch weitere Malware oder gar Hacker Zugriff verschaffen können.“

Bei der Forderung nach Weiheämtern für Frauen schimmerte von Anfang an die Haltung durch, das Weihepriestertum an sich sei eigentlich überflüssig. Lange Zeit ließ sich das nur durch beharrliches Nachfragen herausfinden. Als ich diese Wahrnehmung im Januar letzten Jahres in einem Blogartikel formuliert habe, wurden mir in einer Facebook-Diskussion noch Verschwörungstheorien unterstellt. Allerdings sagt eine der Gründerinnen wiederholt, sie sehe die Weihe von Frauen (nur) als Zwischenschritt zur Abschaffung des Weihepriestertums. Mittlerweile gab’s jetzt auch noch den „Thesenanschlag 2.0“, und „Reformation 2.0“ scheint auch nicht mehr weit zu sein.

Die Verwandlung Ihres Computers in einen Zombie: Manchmal ist ein Hacker gar nicht an Ihnen interessiert, sondern er möchte einfach nur Ihren Computer nur als Sklave in einem Netzwerk verwenden, das unter seiner Kontrolle steht.“

Es wird immer wieder behauptet, hier engagierten sich Frauen aus der Mitte der Kirche, die auch in ihren Gemeinden zu den Engagiertesten zählen. Ich glaube gerne, dass das für einige auch stimmt. An einer konstruktiven Mitarbeit z.B. beim Synodalen Weg – wie auch immer man dazu stehen mag – waren sie aber nicht interessiert. Verfolgt man aber die Diskussionen und Argumentationsmuster genauer, wird eines immer klarer: Das was hier angestrebt wird, hat mit der Kirche nicht mehr viel zu tun. Vor der kirchlichen Kulisse werden Mahlfeiern gehalten, die gezielt mit den Symbolen der Eucharistie hantieren, aber eine Umdeutung erfahren. Von Selbstermächtigung und „einfach machen … nicht um Erlaubnis fragen“ ist da die Rede. Der personale dreifaltige Gott wird zu einer Chiffre degradiert. Ansonsten geht es fast nur noch um innerweltlich-gesellschaftliche Anliegen, Strukturen und die Machtbefugnisse, diese Strukturen nach eigenen Vorstellungen komplett umkrempeln zu können.

Offensichtlich wurde unser kirchliches Antivirus-Programm zu lange vernachlässigt und zu selten mit den notwendigen Updates versorgt – mit dem Ergebnis dass mittlerweile sogar das Betriebssystem angegriffen wird.

Zölibatsdebatte und ‚Frauenfrage‘ – man spürt die Absicht und ist verstimmt

Die Debatte um den Zölibat der Priester könnte eigentlich recht unaufgeregt sein, aber sie scheint wohl gerade – gemeinsam mit der Debatte um die Weihe von Frauen – der Dreh- und Angelpunkt der derzeitige Diskussionen im kirchlichen Bereich zu sein – angefeuert von den Erwartungen, die mit dem Synodalen Weg in Deutschland verknüpft werden.

Ja, der Zölibat hat seinen Wert – nicht so sehr, weil er dem Priester Freiräume für vermehrten Einsatz für die Gemeinde bietet, nicht weil Ehe und Familie ihn zu viel Zeit kosteten und schon gar nicht, weil Sexualität etwas Verwerfliches wäre, sondern weil er auf die himmlische Wirklichkeit hinweist. Der Zölibat der Priester – genauso wie die Jungfrauenweihe oder die Witwenweihe – ist ein unübersehbares Zeichen dafür, dass es mehr gibt, als diese Welt und dieses Leben. Darum wird er, genau wie die Jungfrauen- und Witwenweihe, so angeriffen. Für viele ist es unerträglich, mit einem unübersehbaren Zeichen konfrontiert zu werden, das mehr als nur pragmatisch ist, sondern an eine transzendente Wirklichkeit erinnert, an unser letztendliches Ziel.

Aber der Zölibat ist andererseits auch kein Dogma und nicht Voraussetzung für die Gültigkeit einer Weihe. Auch die Verteidiger des Zölibats schießen häufig über’s Ziel hinaus und messen ihm eine Bedeutung bei, die er nicht hat. Es gibt ja bereits verheiratete Priester, und zwar sowohl in der römisch-katholischen Kirche als auch vor allem in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen. Diesen Priestern wird wohl (hoffentlich!) niemand das Priestertum, eine priesterliche Existenz und priesterliches Wirken absprechen.

Ich glaube, in den derzeitigen Diskussionen um das Thema Zölibat geht es weniger um ‚arme einsame Priester ohne Familie‘ (es werden schließlich fast die Hälfte der Ehen hierzulande geschieden und es gab noch nie so viele Singles wie heute), sondern eher darum, jeglichen Unterschied zwischen geweihten Klerikern und Laien zu beseitigen oder zumindest unsichtbar zu machen. Das Heilige darf nicht mehr sichtbar werden!

Mit verheirateten Priestern hätte ich noch das geringste Problem, wenn sie denn ihrem Stand gemäß z.B. priesterliche Kleidung trügen und sich gemäß ihrer Würde und ihres geweihten Standes verhielten. Deswegen funktioniert das ja auch bei den Ostkirchen, wäre bei uns aber ein fatales Zeichen. Damit wäre hier im Westen einer der letzten und der viellleicht augenfälligste sichtbare Hinweis auf die so ganz andere Welt Gottes eliminiert.

Und ich vermute, das ist der Hauptgrund für die Forderung der Aufhebung des Zölibats: Nivellierung des geweihten Priestertums. Bei der Frage nach der Frauenordination steckt im Übrigen dieselbe Denkweise dahinter, wie ich in den verschiedenen Diskussionen mit den einschlägigen Gruppierungen feststellen konnte. Irgendwann kam nämlich immer das ‚Argument‘, Jesus habe schließlich überhaupt keine Priester geweiht.

Letztlich geht es also wohl vor allem darum, das Weihepriestertum an sich abschaffen zu wollen. Die Marginalisierung des Zölibats und die Forderung nach Weiheämtern für Frauen sind lediglich Zwischenstationen dazu.

Zum selben Thema: „Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‚vergessen‘ wird“

Emanzipiert von der Gleichmacherei

Ich habe ja immer behauptet, ich sei eine 3-K-Frau. Allerdings weniger ‚Kinder, Küche, Kirche‘ und mehr ‚Kaffee, Katze, Kabelfernsehen‘. In das traditionelle Rollenbild will ich nicht ganz hinein passen. Dennoch bin ich nicht glücklich über die Entwicklungen in Gesellschaft und Politik, die gezielt umerziehen wollen zu einer größtmöglichen Nivellierung der Geschlechter. Aber gleichwertig ist nun nicht zwingend auch gleichartig.

Ich denke, als emanzipierte Frau muss ich mir nicht von Männern sagen lassen, wie ich zu sein habe – und auch nicht von Frauen (auch wenn es nur ‚zu meinem Besten‘ sein sollte). Auch als emanzipierte Frau kann ich Frau sein und muss nicht zum besseren Mann werden.

Dr. Kristina Schröder MdB, die ehemalige Familienministerin, hat zu diesem Thema einen erhellenden Beitrag geschrieben:

Freiheit statt Gleichheit! Auch für die Geschlechter

Zitat:
„Es ist immer die böse Gesellschaft, es sind immer strukturelle Diskriminierungen, es sind immer veraltete Rollenbilder, mit denen Ungleichheiten erklärt werden. Dass auch der freie Wille von Frauen und Männern mal wirklich entscheidend sein könnte, das finde ich in Texten der Gendertheorie fast nie. Geschweige denn den ernsthaften Versuch, die eigenen Grundannahmen zu falsifizieren.“

 

Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‚vergessen‘ wird

Katholisch.de greift die endlose Debatte um den Zölibat wieder auf: ‚Zwischen Ehelosigkeit und Laienpredigern

Bei diesen Dingen wird allerdings jedes Mal ‚vergessen‘, dass es ein großer Unterschied ist, ob ein Verheirateter zum Diakon oder Priester geweiht wird, oder ein Diakon / Priester heiratet. Ehe ist nicht zwingend ein Weihehindernis (siehe ständige Diakone oder konvertierte verheiratete Pfarrer), aber eine Weihe ist ein Ehehindernis. Bei letzterem berührt es nämlich bereits die Sakramententheologie.

Also selbst, wenn der allgemeine Zölibat für das Priestertum aufgehoben würde, änderte sich nichts für die bereits Geweihten. Darin sind sich Ostkirche und Westkirche übrigens einig. Ein Abgehen von dieser Linie wäre also auch ein großes Hindernis für die Ökumene.

Ähnliches gilt für die Forderung nach der Weihe von Frauen. Es ist beständiger kirchlicher Konsens in nahezu allen Kirchen, dass die Diakonen- und Priesterweihe nur für Männer vorgesehen ist. Geändert wurde das meines Wissens nur in der Altkatholischen und der Anglikanischen Kirche – und zwar erst vor relativ kurzer Zeit. Die Praxis der Evangelischen Kirche und der Freikirchen kann hier nicht als Argument dienen, denn da wird im Normalfall überhaupt nicht geweiht(!) – weder Männer noch Frauen.

Auch die Weihe von Frauen wäre demnach ein Ökumene-Hindernis (auch wenn es gern genau anders herum dargestellt wird). Rechtfertigen muss sich meiner Meinung nach übrigens derjenige, der den bisherigen Konsens verlässt und nicht diejenigen, die dabei bleiben.

Was hat Blumenkohl mit Frauen und Männern in der Kirche zu tun?

Warum beginne ich meine Gedanken zum Thema mit einem Foto von Gemüse? Jedenfalls nicht, weil ich dächte, frau gehörte an den Kochtopf! (In meinem Fall wäre das übrigens eine ganz schlechte Idee.) Ich denke dabei an die fraktale Struktur. Bei Schneeflocken, Blumenkohl, Brokkoli, Farn und vielem anderen, was natürlich wächst und entsteht, finden sich fraktale Formen – also Formen, die in ihren kleinen Teilen Ähnlichkeiten aufweisen mit der jeweils höheren Ebene. Mir scheint das in der Struktur der Kirche nicht anders zu sein:

„Denn wir sind Glieder seines Leibes. »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ‚ein‘ Fleisch sein« (1.Mose 2,24). Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde.“ (Epheser 5, 30-32)

Die Gemeinde/Kirche bildet eine höhere Wirklichkeit ab. Gemeinschaften oder Familien sind in ihrer Struktur wiederum „kleine Kirche“ – sie bilden die Kirche im Kleinen ab. Deshalb halte ich es auch nicht für allzu abwegig, die biblischen Gleichnisse und Bilder auf die heutige kirchliche Realität zu beziehen.

Explizit wird auch das Bild des Leibes auf die Gemeinde übertragen:

“Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer. Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand; denn die anständigen brauchen’s nicht.

Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.” (1. Korintherbrief 12, 20-26)

Auch das Bild vom Bau aus lebendigen Steinen spricht davon. Das ist meines Erachtens die Schablone, vor der man die Frage nach den unterschiedlichen Berufungen auch der beiden Geschlechter sehen muss.

Es geht also einerseits darum, Kirche abzubilden und andererseits um die gegenseitige Ergänzung im Dienst. An keiner Stelle wird dabei von einer Wertigkeit der Dienste gesprochen. Es geht also gar nicht in erster Linie um Rechte, Privilegien und Ämter. Manche Aufgaben und Dienste, wie z.B. der prophetische Dienst, müssen in gewisser Weise unabhängig von Hierarchie und Leitungsgewalt stehen.

Naturgemäß habe ich mich mit dem Thema der Frau in der Kirche intensiv auseinander gesetzt. Das kann ich hier nur schlaglichtartig umreißen. Ich selbst stand ja einmal in der Situation, Gemeinde zu leiten, zu predigen und Pastorin zu sein.

All das musste neu bewertet werden, als ich vor 9 Jahren wieder zurück in die katholische Kirche gegangen bin. Die Frage war: „Was mache ich denn nun mit dem, was ich vorher als meine Berufung erkannt zu haben glaubte? Findet das seinen Platz? Finde ich einen Platz?“

Und während ich begonnen habe, einfach die Dinge zu tun, die ich tun konnte, habe ich eine spezielle Freiheit entdeckt. In der Diskussion habe ich festgestellt, dass ich einen anderen – ergänzenden – Zugang zu den Themen habe. Der eher intuitive und an manchen Stellen unkonventionelle Zugang braucht aber auch das Gegenüber der eher systematischen Theologie … und es ist gut, wenn Letztere das letzte Wort hat. Das Überangebot von bunten Tüchern in gestalteten Mitten, z.B. in unseren „Frauenliturgien“, gibt davon beredt Zeugnis. So braucht die Intuition, Sensibilität und Kreativität den schützenden Rahmen der verlässlichen „männlichen“ Theologie. Ein Rahmen, der auch Freiheit gibt. Und die eher männlich geprägte Sicht braucht die Ergänzung und Herausforderung von der anderen Seite. Ich rede hier von Tendenzen, nicht von absoluten Zuschreibungen.

Tatsache bleibt aber, dass Gott selbst derjenige ist, der beruft. Er ist es, der letztlich den Maßstab setzt. Es kann kein Recht auf irgendein Amt oder eine Weihe geben. Bürgerliche Kategorien und Maßstäbe greifen hier nicht.

“Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.” (1. Korintherbrief 12, 24b-26)