Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‚vergessen‘ wird

Katholisch.de greift die endlose Debatte um den Zölibat wieder auf: ‚Zwischen Ehelosigkeit und Laienpredigern

Bei diesen Dingen wird allerdings jedes Mal ‚vergessen‘, dass es ein großer Unterschied ist, ob ein Verheirateter zum Diakon oder Priester geweiht wird, oder ein Diakon / Priester heiratet. Ehe ist nicht zwingend ein Weihehindernis (siehe ständige Diakone oder konvertierte verheiratete Pfarrer), aber eine Weihe ist ein Ehehindernis. Bei letzterem berührt es nämlich bereits die Sakramententheologie.

Also selbst, wenn der allgemeine Zölibat für das Priestertum aufgehoben würde, änderte sich nichts für die bereits Geweihten. Darin sind sich Ostkirche und Westkirche übrigens einig. Ein Abgehen von dieser Linie wäre also auch ein großes Hindernis für die Ökumene.

Ähnliches gilt für die Forderung nach der Weihe von Frauen. Es ist beständiger kirchlicher Konsens in nahezu allen Kirchen, dass die Diakonen- und Priesterweihe nur für Männer vorgesehen ist. Geändert wurde das meines Wissens nur in der Altkatholischen und der Anglikanischen Kirche – und zwar erst vor reltiv kurzer Zeit. Die Praxis der Evangelischen Kirche und der Freikirchen kann hier nicht als Argument dienen, denn da wird im Normalfall überhaupt nicht geweiht(!) – weder Männer noch Frauen.

Auch die Weihe von Frauen wäre demnach ein Ökumene-Hindernis (auch wenn es gern genau anders herum dargestellt wird). Rechtfertigen muss sich meiner Meinung nach derjenige, der den bisherigen Konsens verlässt und nicht diejenigen, die dabei bleiben.

8 Gedanken zu „Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‚vergessen‘ wird

  1. Die Aussage, daß bei der Evangelischen Kirche und den Freikirchen überhaupt nicht geweiht wird, könnte man nochmal versuchen tiefer zu überdenken. Bei den Kirchen gibt es in der Tat keine Weihe, sondern eine Ordination.
    Soweit ich weiß ist es aber doch so:
    Jemand, der jedoch irgendwann mal ordiniert wurde, wird auch bei Kirchenwechsel innerhalb dieser Kirchen nicht neu ordiniert, sondern die alte Ordination wird anerkannt. Selbst wenn er mal aus dem Dienst augeschieden ist und später wieder in den Dienst eintritt, wird nicht erneut ordiniert.
    Da kommt die Frage auf, ob die Ordination doch in dem evangelischen Verständnis eine Art Weihe ist, die nur einen anderen Namen trägt, ob also die Ordination nicht doch ein „unauslöschliches Siegel“ einprägt?

    • Die Ordination in Kirchen protestantischer Tradition ist als Beauftragung etwas grundlegend Anderes als die Weihe in bischöflich verfassten Kirchen in apostolischer Sukzession. Letztere hat sakramentalen Charakter. Vor diesem Hintergrund sagt ist es relativ unerheblich, ob andere Kirchen mit demselben Beauftragungs-Verständnis die Ordination anerkennen oder nicht.

    • Die Frage lässt sich leicht beantworten: Die protestantische Theologie lehnt das besondere Priestertum, wie es in der Orthodoxie und in dert katholischen Kirche existiert, ausdrücklich ab. Es wird nur das allgemeine Priestertum aller Gläubigen anerkannt. Daher ist die Ordination auch keinesfalls vergleichbar mit der Priesterweihe. Es wäre ökumenisch außerordentlich taktlos, Beides in einen Topf zu werfen. Beim Wechsel von einer Gemeinschaft der Reformation zum katholischen oder orthodoxen Glauben kann daher keinesfalls eine Ordination als „Weihe“ anerkannt werden. Anders ist die Situation in den orthodoxen oder altorientalischen Kirchen, deren Priesterweihen von der katholischen Kirche anerkannt werden.
      Selbst bei den Anglikanern, die in ihrem hochkirchlichen Zweig einer der katholischen Tradition sehr ähnliche Auffassung von der Weihe als Sakrament haben, wird die Weihe nicht automatisch anerkannt, sondern ggf. sub conditione erneut gespendet.

  2. Ein sehr schöner Beitrag, der mal klar stellt, dass mit dem Zölibat nicht gleiche alle Priester vor die Traualtäre dürfen.
    Nebenbei ist gerade die Altkatholische Kirche ein gutes Beispiel gegen die Abschaffung des Zölibats. Da werden nämlich – wie mir aus unverdächtiger Quelle mitgeteilt wurde – die Zölibatären oft geradezu von den Verheirateten gemobbt.

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