Orientierung – gemeinsam IHN anschauen

Gastbeitrag von Manfred Barnabas Loevenich SJB


Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet beim Autoren des „Kleinen Prinzen“ ein gutes Argument für die gemeinsame Feier der Heiligen Messe „ad orientem“ finden lässt? …

„Die Erfahrung lehrt uns, dass Liebe nicht darin besteht, dass man einander ansieht, sondern dass man gemeinsam in gleicher Richtung blickt.“

Antoine de Saint-Exupéry: Wind, Sand und Sterne (1941), S. 216.

Im französischen Original:

„l’expérience nous montre qu’aimer ce n’est point nous regarder l’un l’autre mais regarder ensemble dans la même direction.“

Antoine de Saint-Exupéry: Terre des Hommes (1939), S. 225.

Bild: Sogenannte Gregorsmesse, Mitteltafel des Gregoriusretabels aus Kloster Heisterbach, rheinisch (Meister der Heiligen Sippe und Werkstatt) um 1495 bis 1505, Wallraf-Richartz-Museum Köln; verschiedene Teile des Altarretabels auf dem Kirchenlehreraltar des Zisterzienserklosters Heisterbach sind heute auf Museen in Bamberg, Köln und München verteilt (http://gregorsmesse.uni-muenster.de/objektanzeige.php).

Stundenbuch-App wurde erweitert

Seit Oktober 2013 gibt es nun schon vom Deutschen Liturgischen Institut und vom Katholischen Pressebund eine App mit dem deutschsprachigen (kleinen) Stundenbuch. Seit Neuestem ist die App erweitert auf den Inhalt des großen Stundenbuchs.

Deshalb nochmals von mir der Tip, sich die App unbedingt einmal näher anzusehen. Zu bekommen ist sie für iOS, für Android und für Windows Phone.

Die Bedienung ist sehr einfach. Für jeweils 10 Tage werden die täglichen Texte geladen, so dass man die App auch ohne ständige Internetverbindung nutzen kann. Ein sehr einfacher Einstieg ins Stundengebet und das auch noch kostenlos.

Es ist aber nicht verboten, das Projekt mit einer Spende zu unterstützen – zum Beispiel über Better Place. 😉

Herzlichen Dank an den Katholischen Pressebund für den großen Einsatz, mit dem die Entwicklung der App vorangetrieben wird!

Paul Gerhardt

stern_adv3 Einer der Liederdichter, die mich immer sehr berührt haben, ist Paul Gerhardt. Ich werde hier nicht viel über die Lebensdaten dieses bekannten evangelischen Liederdichters aus dem 17. Jahrhundert schreiben. Das haben andere Kompetentere ausführlich getan.

Dieser Mann, dessen Lieder so sehr von der Hoffnung und von der innigen Verbindung zu Christus sprechen, war wahrhaftig nicht auf Rosen gebettet. Er hat die Schrecken des 30jährigen Krieges und verschiedener Seuchen erlebt, stand mitten im Konflikt zwischen lutherischer und reformierter Lehre und musste auch persönlich mit einigen Schicksalsschlägen zurecht kommen. Im Alter von 14 Jahren war bereits verwaist. Er hat später auch vier seiner fünf Kinder sowie seine Frau verloren. Umso beeindruckender sind die Hoffnung und das Vertrauen, die in seinen Liedern zum Ausdruck kommen, auch wenn das Schwere nicht verschwiegen wird.

Im Wikipedia-Artikel heißt es: „Gerhardt wird auch das Verdienst zuerkannt, die Entwicklung vom Bekenntnislied zum Andachtslied und das zuversichtliche Preis- und Dankgebet gefördert zu haben. Seine Gedichte haben sich zu Volks- und Familienliedern christlichen Glaubens entwickelt.“ Seine Lieder sind also weniger für den gemeinsamen Gottesdienst, sondern eher für die persönliche Andacht gedacht. Sie erlauben es sich, subjektiv zu sein. Trotzdem haben sie Aufnahme in viele Gesangbücher gefunden – evangelische, freikirchliche und katholische.

Von Paul Gerhardt stammt zum Beispiel eines meiner zwei Lieblings-Adventslieder – ‚Wie soll ich dich empfangen‘:

Obwohl diese Texte so subjektiv sind und so stark das persönliche Glaubenserleben thematisieren, haben sie offenbar auch Gläubigen anderer Zeiten und Prägungen etwas zu sagen.

So schreibt Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis in Tegel über das Weihnachtslied ‚Ich steh‘ an deiner Krippen hier‘: „Ich hatte mir bisher nicht viel daraus gemacht. Man muss wohl lange allein sein und es meditierend lesen, um es aufnehmen zu können. Es ist in jedem Worte ganz außerordentlich gefüllt und schön. Ein klein wenig mönchisch-mystisch ist es, aber doch gerade nur soviel, wie es berechtigt ist; es gibt eben neben dem Wir doch auch das Ich und Christus, und was das bedeutet, kann gar nicht besser gesagt werden, als in diesem Lied.“ (in: Widerstand und Ergebung)

Bei aller notwendigen Betonung der Objektivität – und heute ist sie sicher nötiger als zu Paul Gerhardts Zeiten – braucht eben auch die persönliche Frömmigkeit ihren Raum.

‚Ich steh‘ an deiner Krippen hier‘ ist übrigens mein persönlicher Favorit unter den Weihnachtsliedern.



 

Oration zum Fest Kreuzerhöhung

IMG_1490Gott, Du erfreust uns heute durch das festliche Jahresgedächtnis der Erhöhung des heiligen Kreuzes. Nun bitten wir: Laß uns im Himmel die Frucht der Erlösung durch Jesus Christus erlangen, dessen Mysterium wir auf Erden erkannt haben.

Oration in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus
(Übersetzung aus dem ‚Volksmeßbuch‘ von Urbanus Bomm OSB, gedruckt 1961)

Stundenbuch jetzt auch online

Screenshot

Screenshot

Eine gute Nachricht! Die Web-Version des (kleinen) Stundenbuches ist mittlerweile ebenfalls online.

Jetzt kann man also das Gebet der Kirche auch via App oder und/oder online beten. Nochmals herzlichen Dank, an alle, die sich dafür eingesetzt und daran mitgewirkt haben!

Endlich verfügbar: Stundenbuch-App

Stundenbuch-AppVom Deutschen Liturgischen Institut und vom Katholischen Pressebund gibt es nun endlich eine App mit dem deutschsprachigen (kleinen) Stundenbuch – für iOS, Android und für WindowsPhone.

Die Bedienung ist sehr einfach. Für jeweils 10 Tage werden die täglichen Texte geladen, so dass man die App auch ohne ständige Internetverbindung nutzen kann. Ein sehr einfaher Einstieg ins Stundengebet und das auch noch kostenlos.

Eine Online-Version ist unter stundenbuch.katholisch.de vorgesehen, bisher allerdings noch nicht im Netz.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch nochmal an den Bändelblog erinnern. Wer die Stundenbücher – großes oder kleines – besitzt, findet hier Angaben, was gerade ‚dran‘ ist.

Das Brevier von 1962 in Latein gibt es ebenfalls als App: Breviarium meum (iOS)

Never change a running system

Noch ein Computer-Vergleich aus der Reihe der älteren Texte (ca. 2003):

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computerVor kurzem habe ich im Büro einen neuen Computer bekommen. Klasse, dachte ich mir, jetzt kann ich endlich richtig loslegen. Doch erst einmal müssen natürlich die entsprechenden Programme installiert werden. Und schon gehen die Probleme los. Das andere Betriebssystem reagiert anders als gewohnt. Manche Dinge laufen überhaupt nicht. Wäre ich doch bloß beim alten – wenn auch reichlich langsamen – Gerät geblieben! Da lief wenigstens alles so wie ich es wollte! Ich hatte ihn mir richtig gut eingerichtet, so dass ich an alles, was ich brauchte bequem ‚rankam. Nun musste ich fast wieder von vorne anfangen und auf manch liebgewordenes Programm verzichten. „Never change a running system“ („Verändere nie ein System, das funktioniert“) das kam mir dabei in den Sinn. Mein System lief, wenn auch nicht immer störungsfrei. Jetzt musste ich mich wieder umstellen, ja sogar auf einiges verzichten. „Ich will mein altes Gerät wieder haben!“, war meine erste Reaktion.

Nun war aber genau das nicht möglich. Es hatte schließlich einen guten Grund, dass ich einen neuen PC brauchte. Die alte Version eines wichtigen Programm, mit dem ich arbeiten musste, wird demnächst nicht mehr unterstützt. Wir sind also gezwungen, auf die neue Version umzusteigen. Mit dem alten Computer war das nicht mehr zu schaffen. Deshalb musste ein neuer her, ob es mir nun passte oder nicht.

„Never change a running system“ gilt also doch nur bedingt. Manchmal muss man eben trotzdem etwas ändern, auch wenn scheinbar alles gut läuft. Es scheint mir, dass es im menschlichen Leben nicht viel anders aussieht. Will man mit anderen über den Glauben sprechen, bekommt man oft Antworten wie „Ich komme auch so gut zurecht.“, „bisher habe ich Gott auch nicht gebraucht.“ oder „Mein Leben gefällt mir, wie es ist.“ Im Moment läuft alles gut, warum also etwas daran ändern? Die Bibel lässt aber keinen Zweifel daran, dass unser jetziges Leben nicht mit dem ewigen Leben – dem Reich Gottes – „kompatibel“ ist. Man könnte sagen, dass wir mit dem alten System künftig nicht mehr arbeiten können, es wird nicht mehr unterstützt, genau so wie meine alte Programmversion künftig unbrauchbar sein wird. Jesus drückt es im Gespräch mit Nikodemus so aus: „Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ (Johannes 3, 3)

Natürlich ist das nicht so einfach, vieles wird neu sein, anderes wird so nicht mehr gehen, wie man es gewohnt ist oder einen anderen Stellenwert einnehmen. Klar, dass man sich dann vielleicht sein altes Leben zurück wünscht. Doch es ist völlig gleichgültig, ob es jetzt gut läuft, oder nicht. Die Umstellung ist notwendig. Lukas 5, 37 – 39 „Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche und wird verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern neuen Wein soll man in neue Schläuche füllen. Und niemand, der vom alten Wein trinkt, will neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.“ Mit dem alten Leben können wir vor Gott nicht bestehen, sondern nur mit dem neuen Leben, das er uns schenken will.

Zum Ziel kommen

Text aus dem Jahr 2004 – mal wieder ein Auto-Vergleich:

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strasseWer in einer fremden Umgebung zurecht kommen muss, der kennt das Problem. Die Wegbeschreibung ist ungenau, einmal die richtige Abfahrt verpasst und nach der zwanzigsten Einbahnstraße hilft auch der beste Orientierungssinn nicht weiter.  In einer Stadt wie Köln kann das jedenfalls leicht passieren. Da kann dann froh sein, wer einen Beifahrer hat, der Straßenkarten lesen kann. Wer sich aber – weil er allein unterwegs ist – auf Beschreibungen und Schilder verlassen muss, der ist dann auch verlassen.

Schon seit einiger Zeit gibt es dafür freundliche elektronische Helfer, die per Sprachausgabe den richtigen Weg führen und auch dann noch zurecht kommen, wenn man von diesem vorher berechneten Weg abkommt. Navigationssysteme – so heißen die nützlichen Geräte – können innerhalb kürzester Zeit einen neuen Kurs berechnen.

Seit kurzer Zeit lasse ich mir ebenfalls von einem solchen Gerät den Weg zeigen. Dabei stelle ich fest, dass aber noch viele alte Gewohnheiten zum Tragen kommen. „Lieber den bekannten Weg fahren“, „Lieber Hauptstraßen benutzen“, „Wer weiß wo ich sonst noch rauskomme“. Das sind Gedanken, die ein gewisses Misstrauen offenbaren.  Wirklich hilfreich sind diese Hilfen nur, wenn ich sie auch in Anspruch nehme.

Das erinnert mich ein wenig daran, wie ich manchmal mit der Führung Gottes in meinem Leben umgehe. „Kann das stimmen, was er mir da sagt? So habe ich das ja noch nie gesehen oder getan!“ Und die Versuchung ist groß, doch eher die bekannten Wege zu nutzen, die ausgetretenen Pfade.

Mein Navigationssystem mahnt mich manchmal, bei der nächsten Möglichkeit umzukehren, nicht einfach einen anderen Weg zu nehmen. Und das tut Gott auch oft. Nicht immer können wir auf unseren bekannten Pfaden zum Ziel kommen. Da müssen wir die Richtung ändern, umkehren, oder – wie die Bibel es sagt – Buße tun.

Um den richtigen Weg zu finden, muss ich wissen, wo ich gerade stehe und wohin ich soll. Beim Navigationssystem kommt die Standortbestimmung „von oben“, also von Satelliten. Vielleicht müssen wir auch manchmal „oben“ nachfragen, bei dem der den Überblick hat, wo wir wirklich stehen. Doch woher soll ich wissen, ob das was ich von Gott zu hören glaube auch wirklich von ihm kommt?

Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14, 26)

Gottes Geist will uns leiten, er spricht zu uns, wenn wir auf ihn hören. Doch er erinnert vor allem an das, was Jesus gesagt hat. Das können wir in der Bibel nachlesen. Für mich ist die Bibel, wie das Kartenmaterial des Navigationssystems und der Heilige Geist wie die Anweisungen. Die Anweisungen richten sich nach den Angaben des Kartenmaterials. Wenn ich sie schlecht verstanden habe, stelle ich mit einem Blick auf die Kartenanzeige fest, wie die Anweisung gemeint war.

Wenn der Heilige Geist in mein Leben hinein redet, dann nicht im Gegensatz zu dem, was in der Bibel geschrieben ist. Daran können wir prüfen, ob wir richtig verstanden haben. Andererseits gibt uns der Heilige Geist die konkreten Anweisungen, die jetzt für uns dran sind. Im Bild gesprochen: Er sagt uns, was wir für den jetzigen Weg brauchen, und was jetzt für uns dran ist.

Wenn der Heilige Geist uns an die Worte Jesu erinnern will, dann müssen wir sie zuerst einmal kennen. Ich muss die Bibel lesen, damit ich an etwas daraus erinnert werden kann. Aber ich muss nicht gleich alles verstehen. Meine Aufgabe ist es, jetzt umzusetzen, was ich jetzt verstehe und was Gott jetzt von mir will.

Computer-Crash

Aus dem Jahr 2002 oder 2003:

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crashArbeiten Sie mit einem Computer? Vieles ist damit einfacher oder wird überhaupt erst möglich. Ich jedenfalls möchte mir das Arbeiten ohne dieses Hilfsmittel nicht mehr vorstellen.

Entsprechend verärgert war ich, als mir jemand beim Installieren eines Programms das ganze System ruinierte. Es kostete mich Stunden, bis es wieder so einigermaßen lief. Da aber vorher alles vorinstalliert war und ich keine Disketten hatte, fehlten dennoch wichtige Dateien: Kein Zugriff auf die Soundkarte, nur das Minimum an Farben und manche Programme konnte ich überhaupt nicht mehr starten oder nur noch einige Grundfunktionen nutzen. Kurz gesagt: Das Arbeiten machte keinen Spaß mehr. Doch auch dafür ist eine Lösung vorgesehen. Der Hersteller bietet eine CD-ROM an, die den Computer in den Zustand zurückversetzt, in dem er ausgeliefert wurde. Alle anderen Daten werden gelöscht und alles wird wieder genau so eingerichtet, wie es nun einmal sein soll. Nun weiß ich, daß ich nicht mehr in eine solche Situation kommen kann, denn schließlich habe ich ja die Möglichkeit immer wieder von vorne anzufangen.

Das hat mich daran erinnert, daß auch in einem Menschenleben eine vergleichbare Situation entsteht. Durch „unsachgemäßen Gebrauch“ – die Bibel nennt das Sünde – wurde das Leben verdorben. Mit viel Mühe hat man es vielleicht so hinbekommen, daß es irgendwie läuft, aber von Qualität kann keine Rede sein. Da gibt es Mißtöne und das ganze ist ziemlich farblos. Auf alle Fälle können nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, die vorgesehen waren. Aber ähnlich wie beim PC gibt es eine Lösung: Gott hat dafür gesorgt, daß die Sünde aus unserem Leben verschwinden kann und sich die Prioritäten wieder so ordnen können, wie es gedacht war. Es kommt „Farbe ins Leben“ wie es in einem Lied ausgedrückt wird.

Doch es hat Gott einiges an Arbeit gekostet und unglaubliches Leiden um uns diese Möglichkeit zu geben. Spätestens hier hat der Vergleich mit der Maschine seine Grenze, denn Jesus mußte sterben um uns neues Leben zu geben. Beim Computer hätte sich das Problem auch mit dem Kauf eines neuen Geräts lösen lassen, wenn da nicht die finanzielle Seite wäre. Doch Gott, der alle Möglichkeiten hätte, nimmt diese Mühe auf sich, weil er uns liebt. Wir sind eben nicht nur irgendeine Errungenschaft Gottes, sondern seine geliebte Schöpfung. Schon im Alten Testament spüren wir etwas von der Bereitschaft Gottes, wegen uns Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen: „Aber mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ (Jesaja 43, 24b – 25)

Wir haben also allen Grund, Gott zu vertrauen, denn er hat seine Liebe und Treue immer wieder bewiesen. Dann gibt er die Möglichkeit, zu dem Menschen zu werden, den er sich gedacht hat. Warum sollte man sich also mit weniger zufrieden geben?

Online

Text aus dem Jahr 2001 – da hatte ich noch ein Modem 🙂

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onlineKennen Sie das? Gerade ist man mit viel Mühe ins Internet gekommen – bei meinem Provider kann das zur Zeit durchaus mal eine halbe Stunde dauern – und dann, möglichst bei einem größeren Download, höre ich ein akustisches Zeichen und die Meldung: Verbindung unterbrochen. Also muss ich es noch mal versuchen. Natürlich ist bei den ersten 15 Malen wieder besetzt.

An sich ist das ganze zwar lästig, aber nicht besonders schlimm. Einen abgebrochenen Download kann man – wenn man die entsprechende Software hat – wieder aufnehmen, oder man fängt einfach von vorne an. Das kostet zwar Zeit und natürlich auch Geld, aber so ist das eben. Man hat sich damit abgefunden.

Eine etwas andere Erfahrung habe ich gemacht, als ich für etwa 2 ½ Stunden wegen Handwerkern nicht in mein Büro konnte. Das bedeutete: Kein Zugang zum Computer und damit zum gesamten Netzwerk. „Dann arbeiten Sie eben offline“, meinte mein Chef. Kein Problem, dachte ich, schließlich habe ich ja noch meinen Laptop dabei. Es war aber doch ein Problem. Mit dem Laptop kann ich zwar überall arbeiten, aber ich habe eben keinen Netzwerkzugang, kein Internet und auch über Diskette lassen sich noch keine Daten austauschen, weil das Laufwerk noch nachbestellt werden musste. Trotz technischer Ausrüstung konnte ich also meine Arbeit nicht tun. Aus purer Verzweiflung habe ich dann diesen Text geschrieben. Was sollte ich auch sonst machen?

Das Motto der Heilsarmee in diesem Jahr (2001) heißt: „Online mit Gott“. Meine Situation an diesem Tag hat mir sehr deutlich illustriert, was geschieht, wenn man eben nicht online – also in Verbindung – mit Gott ist. Jesus hat es im Johannesevangelium (Kapitel 15, Vers 5) so ausgedrückt:

„Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer bei mir bleibt, in dem bleibt mein Leben, und er wird viel Frucht tragen. Wer sich aber von mir trennt, kann nichts ausrichten.“ (Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“)

Vielleicht denken Sie jetzt: „Ich habe viele Gaben, ich kann vieles alleine, Gott ist nur etwas für Schwache und Unsichere.“ Doch wie gesagt: Mit der besten technischen Ausrüstung – mit den besten Gaben und Voraussetzungen kann man nicht das tun, wozu man geschaffen ist. Genau so, wie ich mit meinem guten, neuen Laptop nicht meine Arbeit tun konnte. Ich konnte mich wohl – mehr oder weniger sinnvoll – beschäftigen, aber meine eigentliche Arbeit musste liegen bleiben. Ein Leben ohne die Verbindung mit Gott geht also am eigentlichen Ziel vorbei. Und das ist gravierender als zwei Stunden Arbeitsausfall.

Zwei sehr unterschiedliche Gedankengänge

Wasser in Wein:

Das heutige Evangelium in der außerordentlichen Form des röm. Ritus war das der Hochzeit zu Kanaan. Jesus hat Wasser in Wein verwandelt – und zwar in sehr guten Wein! Daran bin ich heute hängen geblieben. Manchem Frommen wäre es umgekehrt lieber, er hätte Wein in Wasser verwandelt und sie leben auch so. Aber Gott gibt großzügig und überfließend.

Geschwätzige Anbetung:

Nach der Messe gab es eine Sakramentsandacht. Ich weiß, Sakramentsandacht ist keine stille Anbetung und manche finden die Andachten im alten Gesangbuch „schöööööön…“, aber trotzdem: Gebet unter der Nr. xy, Andacht unter Nr. z, Lied Nr. …, ein Rosenkranzgesätz… – und die anschließende stille Zeit für persönliches Gebet wurde nach nicht einmal einer Minute rüde durch die Orgel abgewürgt – dann „Tantum ergo“, Schlußsegen und fertig. Das war mal wieder ein typischer Fall von „geschwätziger Anbetung“. Kann man den Leuten nicht mal zumuten, einige Minuten Stille zu halten? Muss es immer eine Andacht nach der nächsten geben? Ein Lied nach dem andern? Komischerweise finde ich das gerade häufig bei traditionelleren Katholiken. Ich versteh’s nicht!

„Wenn ein Glied leidet“

Im Zusammenhang mit der Beichte, hört man es öfter, dass das Schuldigwerden jedes Einzelnen auch der gesamten Kirche Schaden zufügt (und unter anderem auch deshalb vor einem Priester der Kirche bekannt werden soll, vor allem bei schwerer Schuld).

Mir kommt dann ein Text aus dem 1. Korintherbrief in den Sinn, der auch zentral ist für mein eigenes Kirchenverständnis:

„… Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen.

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.

Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.“
(1. Korinther 12, 24b-27)

Das Ganze bleibt so lange eher theoretisch, bis jemand im eigenen Umfeld oder Freundeskreis in Turbulenzen oder Schwierigkeiten gerät. Dann wird das Mitleiden plötzlich sehr konkret. Konkret wird auch das Nachdenken darüber, ob der eigene Mangel z.B. am (versprochenen) Gebet oder an der eigenen Treue im geistlichen Leben nicht genauso dem Leib Christi Schaden zugefügt hat. Auch wenn es von außen niemand mitbekommen hat.

Natürlich kann man keinen unmittelbaren Zusammenhang herstellen, doch mir macht das Nachdenken darüber meine eigene Verantwortung in der Kirche klar:

„Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, …“

Mitten in diesen Gedanken habe ich heute den Film „Von Menschen und Göttern“ gesehen. Und damit kommen auch die Christen in den Blick, die weltweit unter Druck stehen oder gar verfolgt werden.

Morgendliche Gedankengänge

Am Morgen nach einer spätabendlichen Beichte kann man schonmal seltsame Überlegungen haben. Es liegt ja in der Natur der Beichte, dass man sich dort mit den eher unschönen Seiten der eigenen Person befasst. Und während ich so mit einem Kaffee in der Hand darüber sinniert habe, ob es für mein Umfeld nicht viel besser wäre, wenn es nicht meine Macken mittragen müsste (und ich mich deshalb eventuell an der ein oder anderen Stelle rausziehen sollte), fällt mein Blick auf das Kreuz das dort im Garten steht – und mir fällt ein, dass Jesus nicht gekommen ist, damit ich möglichst wenig Unheil anrichte, sondern…

„…Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ (Johannesevangelium 10, 10)

Dafür ist er am Kreuz gestorben. Sich selbst gedanklich auf’s Abstellgleis zu schicken, wäre wohl krasser Undank und Missachtung seiner Liebe. Eine morgendliche Lektion, dass das Nachdenken über die Fehler und Unzulänglichkeiten nicht dazu da ist, mich runterzuziehen, sondern mit Seiner Hilfe zur Fülle zu gelangen. Beichte ist dazu wohl auch ein ganz gutes Hilfsmittel. Danke für die Erinnerung!

Hirn und Herz wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen!

Die volle Dröhnung: Stille Anbetung, Beichte, privater Rosenkranz, Krankensegen, sakramentaler Segen, Messe… und das alles an einem Tag – da kann ich eigentlich nur noch meinen Blognamen zitieren.

Ich mag Banneux. Vor allem mag ich die vielen kleinen und kleinsten Kapellen. Es spielt sich nicht alles an ein oder zwei Orten ab, sondern man kann sich problemlos zum privaten Gebet irgendwohin zurückziehen – entweder in die Kappelle, wo tagsüber das Allerheiligste ausgesetzt ist oder in die eine der anderen Kapellen (mit zwischen 10 und über 100 Plätzen), in denen zumindest ein Tabernakel zu finden ist. Auch an einem sonnigen Samstag im Mai, wie heute, konnte ich da auch mal alleine sein. Der Kommerz – also Restaurants und Devotionalienläden – ist etwas abseits, fein säuberlich abgetrennt. Die Läden habe ich mir diesmal nur in homöopathischen Dosen angetan.

Mein erster Weg führte mich zur Kappelle St. Michael zur stillen Anbetung vor ausgesetztem Allerheiligsten.

Beichten konnte ich später bei einem älteren Priester in Soutane. Laut Beschriftung an seinem Beichtstuhl kann man bei ihm in Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französich und sogar Latein beichten. Sorry, bin bei Deutsch geblieben, und das war auch besser so. 🙂

Und danach passte alles irgendwie genau zusammen. Mein Rosenkranzgebet in der realtiv versteckten Kapelle in der Nähe der Beichtstühle war genau rechtzeitig zuende, um zur Andacht mit Krankensegen auf dem Hauptplatz zu kommen. Direkt im Anschluss gab es dann eine französischsprachige (Vorabend-)Messe. Danach war es dann aber auch gut.

Der Tag hat mir wirklich gut getan. Der Ort hat mir gut getan mit seiner Ruhe und mit den Möglichkeiten ungestört beten zu können. Könnte ich öfter mal gebrauchen.

Hier ein paar Bilder:


Und einige Links:

Die beste Idee überhaupt…

… angesichts der derzeitigen Debatten um Zölibat, Kirchenstrukturen etc. hatte Annuntiator:

Gebetsaufruf – Novene für die Kirche

Stimmt! Was die Kirche jetzt am nötigsten braucht, ist das Gebet der Gläubigen und vor allem das Wirken des Heiligen Geistes.

Ich bin dabei!

Der Hauptmann von Kapernaum – und das Gebet zu den Heiligen

„Ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“

Es ist schon etwas Merkwürdiges, wenn man beim Lesen der Bibel plötzlich über ein Thema nachdenkt, das man noch nie mit diesem Bibeltext in Verbindung gebracht hat – so geschehen gestern bei mir.

Der Hauptmann von Kapernaum ist ja vor allem bekannt, weil Jesus seinen großen Glauben lobte.

„Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe dich nicht; ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ (Lukasevangelium 7, 6+7)

Dass der Hauptmann nicht selbst zu Jesus gegangen ist, war mir zwar immer bewusst, aber irgendwie habe ich nie näher darüber nachgedacht. Und dann bleibe ich ausgerechnet dabei hängen:

„… ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst; darum habe ich auch mich selbst nicht für würdig geachtet, zu dir zu kommen“

Solche Aussagen kenne ich auch von nicht wenigen Christen, denen es ähnlich geht. Darum fällt es ihnen – so sie Katholiken sind – genau aus diesem Grund manchmal leichter, Maria oder die Heiligen um Fürsprache zu bitten bzw. ihnen ihr Herz auszuschütten.

Mir kam das immer fremd vor. Dass ich mit allem immer zu Jesus gehen kann, ist eigentlich schon immer einer der Grundtöne meines Glaubens gewesen. Auch in der Verkündigung – gerade in freikirchlichen Gemeinden – wurde/wird immer wieder Wert darauf gelegt. Von Jesus ist aber nicht berichtet, dass er etwas dagegen hatte, wenn man sich an Fürsprecher wandte.

Genau wie bei der Heilung eines Gelähmten (im selben Ort übrigens), den seine Freunde zu Jesus brachten, so handelte er auch hier auf Bitte von anderen. Und in keinem Fall hat er die Betroffenen getadelt. Den Glauben des Hauptmanns hebt er sogar ganz besonders hervor, unbeschadet dessen, dass er sich nicht unmittelbar selbst an Jesus gewandt hat.

Ich weiß nicht, ob das Gebet zu Heiligen jemals einen großen Raum und Stellenwert bei mir haben wird. Ich vermute mal, eher weniger. Mir ist aber nochmals besonders deutlich geworden, dass es andererseits auch nicht ganz so abwegig ist und seine Berechtigung hat.