Ungefähr diese Antwort habe ich erwartet. Generell halte ich es für gut und richtig, dass ein Bischof sich erst einmal hinter seine Priester stellt. Ich hätte mir allerdings auch ein wenig Verständnis erhofft für die Gläubigen, die an solchen selbstherrlichen Basteleien an der Liturgie leiden. Es geht mir ja nicht um „bestimmte Akzente oder Schwerpunkte“, wie der Kardinal es nennt, sondern um teilweise gravierende Veränderungen außerhalb der vorgesehenen Möglichkeiten.
Nun, beim nächsten Mal werde ich dann wohl wie geraten das Gespräch suchen… und mich dann vermutlich doch letztlich an andere Stellen wenden müssen, wenn ich mich nicht gänzlich aus bestimmten Kirchen verabschieden will. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht so recht vorstellen, dass Priester, die sich sonst kaum um vatikanische Schreiben und Instruktionen – wie z.B. Redemptionis Sacramentum – kümmern, sich ausgerechnet vom zitierten Hirtenwort des Kardinals vom 15.2.2005 (S. 21) zu dieser Instruktion beeindrucken lassen:
„Wenn jemand aus dem heiligen Gottesvolk Sie wegen eines liturgischen Brauches in Ihrer Gemeinde ansprechen, vielleicht auch sogar kritisieren sollte, dann bitte ich Sie, diese Stimmen und die dahinter sich verbergenden Ängste und Nöte in einem liebenden und wachen Herzen wahrzunehmen. Sicherlich müssen Sie unterscheiden zwischen Nörgelei und Rechthaberei einerseits und einer echten Anfrage aus Sorge um die Kirche oder geistlicher Not heraus andererseits. Nehmen Sie aber bitte alle ernstzunehmenden Stimmen aus dem heiligen Gottesvolk auch ernst!“
Im selben Hirtenwort ist übrigens auch zu lesen (S. 5):
„Niemand darf einer klerikalen Willkür ausgesetzt sein, die durch neue Formen, illegitime Hinzufügungen, unrechtmäßige Auslassungen, Unklarheiten über das priesterliche Amt und die Rolle der Laien im Gottesdienst nicht nur die sachgerechte Feier der Eucharistie behindert, sondern im Letzten den Eucharistieglauben der Menschen selbst betrifft und verändert.“
oder auch (S. 7):
„Darum ist meine Forderung an alle Priester, Diakone oder sonst für die Feier der Liturgie Veraantwortlichen, auf alle Eigenmächtigkeiten zu verzichten und zusammen mit den Gläubigen treu die Liturgie der Kirche zu feiern, keine Gängelei oder übertriebene Regelungssucht, sondern Auftrag, in der Feier der Liturgie der Kirche das Geschenk und die Aufgabe des Herrn unverfälscht und nicht verdunkelt zu bewahren.“
und schließlich auch (S. 20):
„Allerdings ist mein fester Wille, zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen die genannten Korrekturen nicht nur anzumahnen, sondern sie auch durchzusetzen.“
Ein guter Gedanke aus der heutigen Predigt zum Pfingstfest ist bei mir haften geblieben. Der Priester erinnerte heute daran, dass es neben den Priestern im Alten Testament immer auch die Propheten gab. Er hat die Gläubigen (okay, er nannte die Kirchenbesucher „Zuhörer“) dazu ermutigt, den Mund aufzumachen. Dem will ich gerne folgen:
Heute war ich mal wieder in einer bestimmten Kölner Pfarrei zur Messe und fand es wirklich übel. Mal ganz abgesehen von den üblichen „Eigenheiten“ in dieser Pfarrei (z.B. grundsätzliches Fehlen des Embolismus, Priesterkommunion immer erst nach den Gläubigen etc.) und „Geschmacksfragen“ (wie heute die viel zu kurze Mantelalbe über Jeans und Sandalen und grobbestickte Drittewelt-Stola) gab es vor allem drei Dinge, die besonders herausstachen:
In der Predigt wurde das Wehen des Geistes an drei Punkten beispielhaft festgemacht – der Ankündigung des zweiten Vatikanischen Konzils (noch absolut einverstanden), irgendeiner Revolution (kann mich nicht mehr genau erinnern wann und wo) und dem Ausstieg aus der Kernenergie als Folge der Erdbeben in Japan.
Die Fürbitten nahmen den Papstbesuch zum Anlass in Gebet verbrämt, die Forderung nach Wiederzulassung Geschiedener zur Eucharistie, kirchlicher Akzeptanz homosexueller Partnerschaften, und überhaupt Reformen – auch wegen der Missbrauchsfälle – aufzustellen. „Wir bitten dich, erhöre uns“ kam mir meist nicht über die Lippen.
Ein Messbuch gab es nicht, sondern nur eine Kladde mit anscheinend selbst formulierten Texten in loser Anlehnung an die Messtexte. Leider zogen sich diese Veränderungen bis ins Hochgebet und sogar den Einsetzungsbericht und die Wandlungsworte selbst hinein. Ich frage mich mittlerweile sogar, ob das Sakrament überhaupt zustande kam.
Und jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich der Predigt weiter folgen soll und auch an anderer Stelle nochmal den Mund (oder die Tastatur) aufmache.
„Religiöse FundamentalistInnen sind Anhänger religiöser Strömungen, die überzeitliche und universell „gültige“ Dogmen predigen und dabei hinter Erkenntnisse der Aufklärung zurückfallen“
Nach dieser Definition, gefunden auf einer Website selbsterklärter „linker und anti-religiöser Gruppen und Einzelpersonen“, gehören wohl fast alle, die Ihre Religion ernstnehmen bereits zu den Fundemantalisten (und -Innen).
Auf der Website „ANTIFA AK COLOGNE“ – http://www.no-racism.de/piusbrueder (Direktlink von meiner Seite muss nun wirklich nicht sein) wird zu einer Demonstration gegen die Einweihung der neuen Kirche der Piusbruderschaft in Köln-Kalk aufgerufen, dazu „diese ‚Einweihung‘ kreativ zu gestalten“ – wohl ein Euphemismus für „massiv stören“.
Noch haben wir offiziell Religionsfreiheit. Ob’s der Priesterbruderschaft St. Pius X. nun passt oder nicht, sie profitiert davon. Offenbar passt das aber auch jener zitierten Website nicht. Hier berühren sich die Extreme! Amüsant auch, dass mich der Sprachstil sehr an ein gewisses sich katholisch nennendes Portal erinnert.
Ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis ganz normale gläubige Christen mit der Fundamentalismuskeule in die Ecke gedrängt und eingeschüchtert oder gar mundtot gemacht werden (sollen). Eigentlich erst recht ein Grund, zur Einweihung der Kirche zu gehen. Danke für die Werbung!
In dieser Woche hatte ich ein kurzes aber interessantes Gespräch. Mein Gegenüber – ein Priester übrigens – war im Hinblick auf diverse Freikirchen der Meinung „die könnten ja wirklich mal langsam unsere Taufe akzeptieren“. Ich hatte ihn dann darauf hingewiesen, dass sie das ja tun, die katholische Taufe akzeptieren, nur eben nicht im Säuglingsalter. Gut, damit fällt in unseren Breiten (noch) der größte Teil der Taufen in Volkskirchen aus dem Raster, was meinem Gesprächspartner ausreichte, sein Befremden auszudrücken, denn so langsam könnte man das ja mal ändern.
Sorry, aber wenn diese christlichen Gemeinden der Überzeugung sind, dass es so eben richtig/biblisch/von Gott gewollt ist, können sie es nicht „einfach so“ ändern, nur weil es „in die Zeit passt“. Glaube ist doch keine Knetmasse, die sich in jedes beliebige Förmchen drücken lässt, das ihm gerade hingehalten wird. Ich frage mich, ob die Kehrseite einer solchen Haltung nicht auch ein Knet-Katholizismus ist – weil’s ja so zeitgemäß ist.
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