„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch“ (Hesekiel 36, 26)
Die Predigt hörte sich wie eine Generalabrechnung mit der Amtskirche und ihren formalen Vorgaben an. Es käme viel mehr auf die Erfahrung der Menschen an, als auf Glaubenswissen und -unterweisung. Der Weg der Neuevanglisierung via Wissensvermittlung sei ein Irrweg. Die Jünger in der Emmauserzählung hätten Jesus ja auch beim Brotbrechen (also einer Handlung) erkannt. – Vergessen bzw. ausgelassen wurde allerdings, dass dem eine ausführliche Katechese vorausging.
Die Messtexte wurden – um der Lebendigkeit willen – umformuliert bzw. mit Füllwörtern versehen, inklusive Wandlungsworte. Und in dem ein oder anderen Nebensatz wurde ganz nebenbei auch noch die Gottheit Jesu ‚umdefiniert‘.
Dazu passt die Herrnhuter Losung für den heutigen Tag:
„Muss ich nicht das halten und reden, was mir der HERR in den Mund gibt?“ (4.Mose 23, 12)
Ein guter Gedanke aus der heutigen Predigt zum Pfingstfest ist bei mir haften geblieben. Der Priester erinnerte heute daran, dass es neben den Priestern im Alten Testament immer auch die Propheten gab. Er hat die Gläubigen (okay, er nannte die Kirchenbesucher „Zuhörer“) dazu ermutigt, den Mund aufzumachen. Dem will ich gerne folgen:
Heute war ich mal wieder in einer bestimmten Kölner Pfarrei zur Messe und fand es wirklich übel. Mal ganz abgesehen von den üblichen „Eigenheiten“ in dieser Pfarrei (z.B. grundsätzliches Fehlen des Embolismus, Priesterkommunion immer erst nach den Gläubigen etc.) und „Geschmacksfragen“ (wie heute die viel zu kurze Mantelalbe über Jeans und Sandalen und grobbestickte Drittewelt-Stola) gab es vor allem drei Dinge, die besonders herausstachen:
In der Predigt wurde das Wehen des Geistes an drei Punkten beispielhaft festgemacht – der Ankündigung des zweiten Vatikanischen Konzils (noch absolut einverstanden), irgendeiner Revolution (kann mich nicht mehr genau erinnern wann und wo) und dem Ausstieg aus der Kernenergie als Folge der Erdbeben in Japan.
Die Fürbitten nahmen den Papstbesuch zum Anlass in Gebet verbrämt, die Forderung nach Wiederzulassung Geschiedener zur Eucharistie, kirchlicher Akzeptanz homosexueller Partnerschaften, und überhaupt Reformen – auch wegen der Missbrauchsfälle – aufzustellen. „Wir bitten dich, erhöre uns“ kam mir meist nicht über die Lippen.
Ein Messbuch gab es nicht, sondern nur eine Kladde mit anscheinend selbst formulierten Texten in loser Anlehnung an die Messtexte. Leider zogen sich diese Veränderungen bis ins Hochgebet und sogar den Einsetzungsbericht und die Wandlungsworte selbst hinein. Ich frage mich mittlerweile sogar, ob das Sakrament überhaupt zustande kam.
Und jetzt stehe ich vor der Frage, ob ich der Predigt weiter folgen soll und auch an anderer Stelle nochmal den Mund (oder die Tastatur) aufmache.
Warum hat mich das früher eigentlich nicht gestört? Vermutlich, weil ich nicht allzu viel wusste über die Messfeier und die Zusammenhänge. Da hätte ich an einer Messe, wie ich sie heute erlebt habe, nichts auszusetzen gehabt. Heute muss ich sagen, diese mehr oder weniger subtilen eigenmächtigen Veränderungen in der Messe stören mich gewaltig.
Neben vielem Anderen, was mir zugegebenermaßen auch nicht neu war, bin ich heute vor allem an einer „kleinen“ Veränderung im Hochgebet hängen geblieben. Statt „in Einheit mit…“ hieß es wörtlich:
„Stärke Papst und Bischöfe, sowie alle Männer und Frauen, die…“
Abgesehen davon, dass nicht einmal die Namen genannt wurden, ist es natürlich viel unverbindlicher und ungefährlicher für Papst und Bischöfe zu beten (auch schon gehört „wir bitten für den Papst, den Bischof…“), als die Einheit mit ihnen zu bekennen oder dieses Bekenntnis gar mit Leben zu füllen. Sehr bezeichnend! Beten kann und soll man ja sogar für die Feinde!
Ja, und wenn ich mir dann die Messfeier so ansehe, bleibt – zumindest in liturgischen Dingen – auch nicht viel übrig an Einheit mit Papst und Bischöfen. Die liturgischen Regelungen werden jedenfalls fleißig ignoriert. Insofern ist es dann vielleicht auch ehrlicher, für Papst und Bischöfe zu beten, statt Einheit mit ihnen zu behaupten.
Ach, war das alles einfach, als ich noch unbedarft in unterschiedliche Gottesdienste gehen konnte und mir diese Dinge gar nicht erst aufgefallen sind!
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