Zwei Tage, drei Konfessionen … und nochmal ausgiebig Weihnachten feiern

In diesem Jahr habe ich mir für den 6. Januar endlich einmal Urlaub genommen. Seit vielen Jahren singe ich bereits in der Oekumenischen Choralschola Köln, die jedes Jahr an Epiphanie / Epiphanias im Gottesdienst in der Antoniterkirche singt. Dafür hätte ich zwar nicht Urlaub nehmen müssen, aber ich habe mir vorgenommen, den 6. Januar in diesem Jahr zu einem zweiten Weihnachtsfest werden zu lassen.

Begonnen hat dieses zweite Weihnachten aber bereits am Sonntagabend mit dem Besuch der Liturgie bei der stets gastfreundlichen Armenischen Gemeinde Köln (Facebook), die am 5. Januar ihren Heiligen Abend feiert. Die feierliche Liturgie, habe ich mittlerweile sehr schätzen gelernt, und der Besuch dort war der optimale Beginn für eine ausgiebige Würdigung des Hochfestes. Ganz zu schweigen von den kurzen aber sehr herzlichen Begegnungen im Anschluss! Schön, dass meine beiden Begleiter, die zum ersten Mal die dortige Liturgie besucht haben, das ähnlich empfunden haben.

Das Licht – vom Altar kommend und in die Gemeinde hinein weiter verbreitet – hat unbeschadet den Weg zu mir nach Hause gefunden.

Der Montagmorgen begann mit dem Pontifikalamt im Dom – hauptsächlich deshalb, weil es der Auftakt zum traditionellen Dreikönigs-Bloggertreffen (#3kbt20) war. Auf dem Weg dorthin habe ich doch tatsächlich zum ersten Mal – ich lebe ja auch erst seit fast 20 Jahren in Köln – bewusst den „Dicken Pitter“ wahrgenommen.

Im Dom war natürlich an einen Sitzplatz gar nicht zu denken, aber ein guter Stehplatz ist auch nicht schlecht. Über die klare Predigt unseres Erzbischofs habe ich mich besonders gefreut. Das war für mich dann der zweite sehr feierliche Gottesdienst zum Hochfest – mit anschließender Prozession zum Dreikönigsschrein und unter ihm hindurch.

Das Hochamt ist übrigens in kompletter Länge auch auf Youtube zu finden.

„Auf den (x)ten Heiligen Dreikönig“

Dann kam der gemütliche Teil: Brauhausbesuch mit knapp 10 Bloggern (darunter 2 Blogerinnen 🙂 ). Es war schön, endlich mal einige Personen persönlich zu treffen, die man sonst nur aus den Sozialen Medien kennt – oder überhaupt zum ersten Mal zu begegnen. Schön war auch, dass ein guter Freund und Mitbruder zum ersten Mal mit dabei sein konnte. Da sage noch einer, die „Sozialen Medien“ würden reale Beziehungen behindern! Der heiligen Drei Könige wurde ebenfalls reichlich gedacht – eine alles andere als puritanische Veranstaltung. Leider mussten wir uns allerdings relativ früh verabschieden.

Um 16 Uhr standen nämlich bereits Einsingen und Probe für den Epiphanias-Gottesdienst mit Gregorianischem Choral in der Antoniterkirche an. Bis dahin sollte ich wieder halbwegs fit sein, genau wie mein Mitbruder, der die Schola leitet.

Auf diesen Gottesdienst freue ich mich immer ganz besonders. Ich liebe die Gregorianischen Gesänge des Festes und ich liebe es während des Gangs zur Krippe der Gemeinde mein Lieblings-Weihnachtslied teilweise solistisch singen zu dürfen. „Ich steh‘ an Deiner Krippen hier“ umrahmt nämlich den Krippengang.

Überhaupt habe ich diesmal recht viel solistisch singen dürfen:

Teile im Alleluja („Vidimus stellam“) – gemeinsam mit einer weiteren Scholasängerin:

„Ich steh‘ an Deiner Krippen hier“ (Strophen 2+3):

Das Offertorium „Reges Tharsis“ – gemeinsam mit einem weiteren Sänger:

… und die Verse der Communio – ebenfalls mit einem weiteren Sänger

Warum ich so viel darüber schreibe, Fotos und Audiodateien einbinde? Zum ersten, weil es für mich selbst wunderbare Tage waren. Zum zweiten aber auch, weil ich gerne einen kleinen Eindruck vermitteln möchte von der Atmosphäre, Ästhetik und „Temperatur“ des Festtages in den verschiedenen Traditionen. Ein großer Reichtum, der uns da zur Verfügung steht, und es bleibt doch das eine Fest und die Verehrung des einen Herrn!

Unerwarteter Blog-Rückblick

An Silvester sind wir es ja gewohnt, mit jeder Menge Rückblicken auf das (fast) vergangene Jahr konfrontiert zu werden. Ich hatte in den letzten beiden Tagen auch einen Rückblick, allerdings auf die Jahre 2016 und 2017.

Nachdem mein Blog im letzten Jahr gehackt wurde, bin ich davon ausgegangen, dass die Beiträge von etwa 3 Jahren verloren gegangen sind. Die Postings aus 2018 konnnte ich noch rekonstruieren, aber mindestens 2 Jahre wähnte ich endgültig verloren.

Beim Aufräumen in meinen Dateien habe ich gestern allerdings festgestellt, dass ich Ende 2017 offenbar doch eine Sicherung meiner Beiträge gemacht habe. Somit konnte ich die Lücke unerwartet doch noch schließen. Nur die Bild- und Videodateien fehlten noch.

Die letzten beiden Tage habe ich also größtenteils damit verbracht, ca. 365 Fotos, Videos und Tondateien hochzuladen und wieder neu in die Beiträge einzufügen. Damit sind meine Beiträge nun wieder nahezu lückenlos verfügbar und der Blog wieder fast komplett. Nur die Linkliste und ein paar Schlagwörter fehlen noch. Ich bin sehr froh, dass diese ärgerliche Lücke nun geschlossen ist.

Noch dankbarer bin ich allerdings für die schönen Erlebnisse, die ich in den beiden bisher noch fehlenden Jahren hatte und an die ich durch die Beiträge mit den dazugehörenden Fotos und Videos nochmals erinnert wurde!

Weihnachtsdarstellungen aus dem Museum

Vor einiger Zeit habe ich das Museum Schnütgen besucht, in dem sakrale Kunst des Mittelalters gezeigt wird. Aus meinen Fotos habe ich hier mal ganz unterschiedliche Weihnachtsdarstellungen zusammengestellt – von einer Altarpredella über Kirchenfenster bis zur Paramentenstickerei:

Botschaft der Weihnachtspyramide ;-)

„Jetzt sind wir schon so lange dabei,
aber dem Kind in der Krippe sind wir kein Stück näher gekommen“

Dum medium silentium …

»Dum medium silentium tenerent omnia, et nox in suo cursu medium iter haberet omnipotens sermo tuus, Domine, de caelis a regalibus sedibus venit.« »Als tiefes Schweigen das All umfing
und die Nacht bis zur Mitte gelangt war,
da stieg dein allmächtiges Wort, Herr,
vom Himmel herab, vom königlichen Thron.«

»Die Mutter hat den König geboren, dessen Name ewig ist, und hat die Freuden der Mutter und die Ehre der Jungfrau;« – »und sie hatte vorher nicht ihresgleichen noch wird ihr eine Ähnliche folgen, alleluja!«

Über dem Himmelsgewölbe steht zwischen den Bäumen des Paradieses der Thron Christi, des Königs und Hohepriesters, der am jüngsten Tag zum zweiten Mal zur Erde kommt.

O Emmanuel, …

Der Berg Sinai mit den Gesetzestafeln weist auf Gottes Bund mit Israel hin (vgl. Ex 31,18)

»O Emmanuel,
Rex et legifer noster,
expectatio gentium,
et salvator earum:
veni ad salvandum nos,
Domine, Deus noster.«

»O Emmanuel,
Gott mit uns. Du König und Lehrer,
du Sehnsucht der Völker und ihr Heiland.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
Herr, unser Gott!«

»Lasst uns gerecht und fromm leben, die selige Hoffnung erwartend und die Ankunft des Herrn.« – »In Sion werde ich das Heil verleihen und in Jerusalem meine Herrlichkeit.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Über der Stadt Bethlehem verkündet der Stern die Ankunft Christi (vgl. Mt 1,9)

O Rex Gentium, …

Der „Eckstein Jesus Christus“ (vgl. Eph 2,20) verbindet Israeliten und Heiden zur einen Kirche.

»O Rex Gentium,
et desideratus earum,
lapisque angularis,
qui facis utraque unum:
veni, et salva hominem,
quem de limo formasti.«

»O König der Völker,
den sie alle ersehnen.
Du Eckstein, der das Getrennte eint.
Komm, o Herr, und befreie den Menschen,
den du aus Erde erschaffen hast.«

»Vernehmet, wie herrlich jener ist, der einhergeht, die Völker zu retten.« – »Gemehrt wird Sein Reich und des Friedens wird kein Ende sein.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Die drei Könige bringen „Gold dem höchsten Herrscher, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis“. (Hl. Gregor der Große)

O Oriens, …

Christus, die aufgehende Sonne der Gerechtigkeit (vgl. Mal 4,2), vertreibt die Beherrscher der Welt: Tod und Sünde.

»O Oriens,
splendor lucis aeternae,
et sol justitiae,
veni, et illumina
sedentes in tenebris
et umbra mortis.«

»O Aufgang,
Glanz des ewigen Lichtes,
du Sonne der Gerechtigkeit,
komm, o Herr, und erleuchte uns,
die wir sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes.«

»Seid beständig: Ihr werdet über euch die Hilfe des Herrn sehen.« – »Gott wird vom Libanon kommen und sein Glanz wird gleich dem Lichte sein.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Ochs und Esel an der Krippe deuten den Opfertod Jesu und seine Demut an.

O Clavis David, …

Der Schlüssel mit dem Davids-Monogramm und das Szepter deuten auf die Verheißung, der Messias werde von David abstammen. (vgl. 2 Sam 7)

»O Clavis David,
et sceptrum domus Israël,
qui aperis, et nemo claudit,
claudis, et nemo aperuit:
veni, et educ vinctum
de domo carceris,
sedentem in tenebris,
et umbra mortis.«

»O Schlüssel Davids
und Zepter des Hauses Israel,
du öffnest und niemand schließt,
du schließest und niemand öffnet.
Komm, o Herr, und befreie aus dem Kerker
den Gefangenen, der da sitzt in Finsternis
und im Schatten des Todes.«

»Von Sion wir kommen der Herr, der Allmächtige, um sein Volk zu retten« – »Wende Dich uns ein wenig zu, o Herr, und zögere nicht, zu Deinen Dienern zu kommen.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der hl. Joseph war, ebenso wie Maria, ein Nachkomme Davids (vgl. Mt 1,5-16)

O Radix Jesse, …

Aus Jesse, dem Vater König Davids, gehen die Ahnen Marias und Jesu hervor (vgl. Lk 3, 23-32)

»O Radix Jesse,
qui stas in signum populorum,
super quem continebunt reges os suum,
quem gentes deprecabuntur:
veni ad liberandum nos,
jam noli tardare.«

»O Wurzel Jesse,
gesetzt zum Zeichen für die Völker.
Vor dir verstummen die Mächtigen,
zu dir rufen die Völker.
Komm, o Herr, und erlöse uns,
zögere nicht länger.«

»Die Propheten sagten voraus, der Erlöser werde aus der Jungfrau Maria geboren werden« – »Der Geist des Herrn ruht auf mir: den Armen die frohe Botschaft zu bringen, sandte er mich.«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Maria ist im byzantinischen Ikonentypus der „Muttergottes vom Zeichen“ dargestellt.

O Adonai, …

Im brennenden Dornbusch erscheint Gott dem Hirten Moses (vgl. Ex 3)

»O Adonai,
et dux domus Israël,
qui Moyse in igne flammae rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos in brachio extento.«

»O Herr
und Fürst des Hauses Israel,
du bist dem Mose erschienen in der Flamme des Dornbuschs
und gabst ihm das Gesetz am Sinai.
Komm, o Herr, und erlöse uns mit starkem Arm.«

»Tauet, ihr Himmel, von oben; ihr Wolken, regnet den Gerechten! Die Erde tue sich auf und sprosse den Heiland hervor!« – »Sende aus das Lamm, o Herr, den Beherrscher der Erde, vom Felsen der Wüste zum Berge der Tochter Sion!«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der Hirt von Bethlehem eilt mit seinen Schafen zur Krippe (vgl. Lk 2)

O Sapientia, …

»Die Weiseheit hat sich ein Haus gebaut, hat sieben Säulen aufgestellt« (Spr 9,1)

»O Sapientia,
quae ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia;
veni ad docendum nos viam prudentiae.«

»O Weisheit,
hervorgegangen aus Gottes Mund, mächtig wirkst du in aller Welt,
und freundlich ordnest du alles.
Komm, o Herr, und lehre uns den Weg der Einsicht.«

»Siehe, kommen wird der Herr, der Herrscher der Könige der Erde; selig, die bereit sind.« – »Wenn der Menschensohn kommen wird: meinst Du, er wird auf Erden Glauben finden?«

(siehe auch bei AlphaOmega)

Der Weihnachtsengel, als Diakon gekleidet, verkündet die Ankunft des göttlichen Wortes. (vgl. Lk 2,9)

Krippe und Kreuz: Gott kommt zu uns!

Gedanken im Advent (aus 2016) – Gastbeitrag von Manfred Barnabas Loevenich SJB

„Als die Zeit reif war, sandte Gott Seinen Sohn. Als Mensch geboren und dem Gesetz untergeordnet, erlöste Er uns vom Zwang des Gesetzes, damit wir Gottes Kinder werden“, schreibt der heilige Apostel Paulus an die Galater. So zitiert ihn auch das zeitgenössische Paulus-Oratorium „Lass dir an meiner Gnade genügen“ (1973) von Siegfried Fietz und Johannes Jourdan. Weiter heißt es dort in einem Lied:

Gott kommt zu uns,
Er kommt herab von Seinem ew’gen Thron.
Gott kommt zu uns,
und wird uns gleich in Jesus, Seinem Sohn.

 (…) Gott kommt zu uns,
wir müssen nicht mehr zweifelnd nach Ihm fragen.
Gott kommt zu uns,
um Seine Gnade allen anzusagen.

 (…) Gott kommt zu uns,
die Krippe und das Kreuz sind Seine Zeichen.
Gott kommt zu uns,
und unsre Trauer soll der Freude weichen.

In diesen Tagen so kurz nach dem verheerenden Terroranschlag an der Berliner Gedächtniskirche hört man im vielfältigen, teils erschreckenden Stimmengewirr auch Äußerungen, wie diese: Der Terroranschlag sei brutal eingebrochen in die „besinnliche, vorweihnachtlich-friedliche“ Stimmung, ja er habe diese nachhaltig zerstört: „Wie kann man jetzt noch Weihnachten feiern?“

Nun, es stimmt. Der Anschlag hat unsere Gesellschaft tatsächlich empfindlich getroffen, verwundet, verunsichert. Und das lag wohl auch in der Absicht des oder der Attentäter. Aber was hat es auf sich mit dieser „friedlichen Weihnachtsatmosphäre“, die nun, wie es heißt, so empfindlich gestört oder zerstört wurde?

„Als die Zeit reif war, sandte Gott Seinen Sohn.“ Wir erwarten Sein Kommen – nur, dass dieses Kommen wenig gemein hat mit einer oberflächlichen und vermeintlichen Idylle, die sich lediglich äußerlich orientiert am weihnachtlichen Geschehen, wie die Bibel es uns berichtet und wie die Kirche es feiert.

Im Advent 1944 schrieb P. Alfred Delp SJ (1907-1945) in der Haft, nur wenige Wochen vor seiner Hinrichtung am 2. Februar 1945:

Gott ist mit uns: so war es verheißen, so haben wir geweint und gefleht. Und so ist es (…) Wirklichkeit geworden: ganz anders, viel erfüllter und zugleich viel einfacher als wir meinten. Gott wird Mensch. (…) Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.

Ist darin nicht bereits die Antwort gegeben, wo und wie der Ausweg zu finden ist aus der lähmenden Wut, Angst und Ohnmacht, unter der auch viele Christen angesichts der unbegreiflichen Gewalttat in Berlin leiden?

Wenn der Mensch Gott erkennt, ohne sein Elend zu erkennen,
verfällt er dem Stolz.

Erkennt er sein Elend, ohne Gott zu erkennen,
verfällt er der Verzweiflung.

Durch die Erkenntnis Jesu Christi stehen wir in der Mitte,
denn darin finden wir sowohl Gott wie auch unser Elend.

Blaise Pascal (1623-1662)

Erwarten wir Jesus, den Christus, trotz – und mitten in – aller Not, Angst, Gewalt und Verzweiflung, dann vermögen wir wirklich adventliche Menschen zu sein, die mit Gott rechnen und von Ihm her leben. Dann feiern wir das Fest der Menschwerdung Gottes tiefer, wahrhaftiger, froher und glaubwürdiger, als die ganze Medien- und Konsum-Maschinerie es uns nahelegt und aufdrängen will. Wer etwas genauer hinsieht und hinhört, entdeckt bald Spuren dieses anderen Advents: nicht des lauten Advents mit Kling-Glöckchen und greller Werbung, sondern der verhaltenen, leisen aber starken, tiefen und erwartungsfrohen Vorfreude – die den unauflösbaren Zusammenhang von Krippe und Kreuz nicht verleugnet, sondern darin den eigentlichen und tiefsten Grund zur Freude erkennt.

Viele Adventslieder wissen um diesen Zusammenhang und besingen ihn in deutlichen Bildern. Vielleicht überhören wir das zu schnell? – Nehmen wir uns doch hier die Zeit, einige Liedtexte kurz zu bedenken:

„Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt …“ Kaum ein Liederdichter der jüngeren Vergangenheit hat die Ambivalenz und den Reichtum der Weihnachtsbotschaft so tief erfasst und im eigenen Leben erfahren, wie Jochen Klepper (1903-1942). Die Tragik seiner Lebensgeschichte spricht hier für sich. Das Lied „Die Nacht ist vorgedrungen“ (GL 220 / EG 16) drückt dieses Glaubenswissen aus:

Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Strophe 1

Das Kommen des Heilands, die Menschwerdung des Gottessohnes, löst das Böse in der Welt nicht auf, sondern eröffnet den Ausweg hin zur wahren Errettung und Erlösung:

Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von Seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr,
von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.

Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.
Als wollte Er belohnen, so richtet Er die Welt.
Der Sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.

Strophe 4 und 5

Ganz ähnlich klingt es bei Paul Gerhardt (1607-1676):

Ich lag in schweren Banden, Du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden, Du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren und schenkst mir großes Gut,
das sich nicht lässt verzehren, wie irdisch Reichtum tut.

Auch dürft ihr nicht erschrecken vor eurer Sünden Schuld;
nein, Jesus will sie decken mit Seiner Lieb und Huld.
Er kommt, Er kommt den Sündern zu Trost und wahrem Heil,
schafft, das bei Gottes Kindern verbleib ihr Erb und Teil.

„Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11), Strophe 4 und 8

Auch Friedrich Spee von Langenfeld (1591-1635) weiß um die tiefe Not und Sehnsucht wie auch die Erfüllung der adventlichen Erwartung.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst’ uns hier im Jammertal.

Hier leiden wir die größte Not
vor Augen steht der ewig’ Tod.
Ach komm, führ uns mit starker Hand
vom Elend zu dem Vaterland.

„O Heiland, reiß die Himmel auf“ (GL 231 / EG 7), Strophe 4 und 6

Überhaupt blendeten die Christen früherer Zeiten in ihrer Adventsfreude das Leid und die Not des Menschen, die Sünde und den Tod nicht aus. Im Gegenteil! Gerade diese bedürfen ja so dringend der Erlösung durch das Kommen Gottes in diese Welt: „Et incarnatus est“, Er kam „in unser Fleisch“. Das Kind in der Krippe gibt es nicht als heimelige Idylle, Verdrängung und Illusion, sondern handfest, konkret, lebendig:

Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel,

danach mit Ihm auch sterben und geistlich aufersteh’n,
das ewig’ Leben erben, wie an Ihm ist gescheh’n.

„Es kommt ein Schiff geladen“ (GL 236 / EG 8), Strophe 5 und 6, von Daniel Sudermann (um 1550-1631), vermutlich nach Johannes Tauler (um 1300-1361)

In dieser Erkenntnis liegt der eigentliche Trost, auch und gerade in Tagen wie diesen: „Gott kommt zu uns, die Krippe und das Kreuz sind Seine Zeichen. Gott kommt zu uns, und unsre Trauer soll der Freude weichen!“

Adventsgedanken … aus der Armenisch Apostolischen Kirche

Nachdenkenswertes auch für unseren Advent – vom Primas der Armenischen Kirche in Deutschland:

Ökumenische Grüße an die armenischen Schwestern und Brüder!

Ein kleiner Unterschied

Kirchliche Diskussionen laufen gerne schonmal unter dem „Highlander-Motto“ ab – „Es kann nur einen geben“!

Christen, denen ihr Glaube wichtig ist, verteidigen diesen selbstverständlich. Wir leben auch nicht gerade in einer Zeit, in der Apologetik nicht dringend nötig wäre. Schwierig wird es dann, wenn nichts Richtiges, Gutes, Hilfreiches stehen gelassen werden kann, nur weil es von der falschen Seite, Bewegung oder gar Konfession kommt. Jeder gute Ansatz ist dann sofort zu verwerfen, wenn er aus der falschen Ecke kommt.

Als Christen können wir nicht oft genug betonen, dass Christus das Zentrum des Glaubens und das Haupt der Kirche ist. Da gibt es keinerlei Möglichkeit, indifferent zu bleiben. Einen Mittelweg gibt es nicht.

Gleich an zwei Stellen in den Evangelien wird uns überliefert, was Christus in Bezug auf sich selbst sagt:

»Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich;
und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.«
(Mt. 12, 30 / Lk 11, 23)

Ein anderes Jesuswort hört sich ganz ähnlich an, scheint dem aber komplett zu wiedersprechen. In Bezug auf seine Jünger und Nachfolger heißt es nämlich:

»Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht!
Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.«
(Lk 9, 50)

Die Kirche hängt engstens mit Christus ihrem Haupt zusammen, aber sie ist nicht 100% identisch mit ihm. So wichtig die Kirche für den Gläubigen ist, sie existiert auch in einer gefallenen Welt mit eingeschränkter Erkenntnis und begrenztem Fassungsvermögen.

Ich halte es für gut möglich, dass andere kirchliche Traditionen Dinge bewahrt (oder neu entdeckt) haben, die uns vielleicht verloren gegangen sind – und dass bei uns Dinge lebendig geblieben sind, die bei anderen vielleicht in Vergessenheit geraten oder in den Hintergrund gerückt sind. Das wahrzunehmen halte ich einerseits für einen großen Reichtum, andererseits aber auch für eine Herausforderung, meine eigene Postion immer wieder neu zu reflektieren.


Disclaimer: Nein, das ist jetzt kein Plädoyer dafür, sich steinbruchartig bei anderen Konfessionen zu bedienen, sich seine individuelle Religion zusammen zu basteln und alle real vorhandenen Grenzen eigenmächtig zu überschreiten. Das gebietet alleine schon der Respekt vor der eignenen und der jeweils anderen Tradition.


Ähnliches Thema:

 

Netzloser Ausflug

Geplant war gestern eine Mischung aus Wallfahrt und Ausflug. Ich konnte mich erst nicht so richtig entscheiden, wohin es gehen sollte, aber dann fiel ganz kurzfristig die Entscheidung auf das Kloster Maria Engelport in der Eifel – Fahrtzeit knapp 1,5 Stunden.

Auf dem Weg haben wir – ich war mit einem Bekannten aus der Kirchengemeinde unterwegs – am Wegesrand in einem Dorf eine kleine Kirche entdeckt, die wir uns spontan anschauen wollten. Wir erlebten eine sehr schöne Überraschung: Die Katholische Filialkirche St. Nikolaus in Brohl scheint wie aus einem Guss geblieben zu sein, zudem in einem guten Zustand. Der Hochaltar ist weiterhin in Nutzung und selbst die Kommunionbank ist in der Kirche verblieben. Eine unerwartete und sehr erfreuliche Entdeckung!

Der Versuch allerdings, den Namen der Kirche online herauszufinden oder die Entdeckung gleich der Netzwelt mitzuteilen scheiterte wegen „kein Netz“. Hier funktionierte nur die Verbindung mit dem Hausherrn der Kirche, die allerdings mit dem Smartphone inkompatibel ist.

Nach weiteren 25 Minuten Fahrtzeit durch reichlich Gegend sind wir am Kloster Maria Engelport der „Anbetungsschwestern des Königlichen Herzens Jesu“ angekommen – mitten in einem schmalen Tal zwischen Gegend und noch mehr Gegend. Das erste, was wir festgestllt haben war – wie Überraschend! – „kein Netz“ :-/

Also blieben uns erst das Stöbern im kleinen Klosterladen und der Besuch in der Klosterkirche. Hier gibt es nahezu ganztägig die Möglichkeit der Eucharistischen Anbetung und täglich auch Zeitfenster mit Beichtgelegenheit. Für beides kamen wir zu einem günstigen Zeitpunkt. Die Verbindung zum Hausherrn der Kirche war jedenfalls einigermaßen störungsfrei, wenn man sich nicht von den Geräuschen der gelegentlich vorbeifahrenden Motorräder, Autos und Landmaschinen ablenken ließ. Für die Einkehr ist der Ort jedenfalls bestens geeignet. Und ein bisschen was zu fotografieren gabs auch.

Auf dem Hinweg hatten wir festgestellt, dass die Abtei Maria Laach quasi auf dem Weg liegt. Bevor wir also mitten im Nirdendwo nach einer Möglichkeit zum Mittagessen suchen wollten, haben wir uns spontan entschieden, gleich dorthin zu fahren.

Mittagessen, Kirchenbesuch, umfangreicher Einkauf im Klosterladen und in der Klostergärtnerei füllten den Nachmittag aus. Auch hier hatten wir keine Möglichkeit, die Netzwelt am Geschehen teilhaben zu lassen: „kein Netz“! Wie vorher auch gab es nur die technikinkompatible Verbindung mit dem Hausherrn der Kirche. Den Abschluss des Tages bildete nämlich die Choralvesper der Mönche.

Vor dem geistlichen Abschluss musste aber auch noch ein ganz profaner Abschluss sein. Ich habe schließlich Urlaub! 🙂

 

 

Nichts Neues unter der Sonne … Die Jugend weiß es besser?

Die Rede von den „alten weißen Männern“, auf die man nicht mehr hören solle/könne, beherrscht die derzeitigen Diskussionen in der Kirche und auch in der Gesellschaft. Eine schwedische Jugendliche wird zur Prophetin hochstilisiert, weil sie Demos gegen den Klimawandel initiiert und zu den virulenten Themen in der Kirche werden bevorzugt diejenigen als Fachleute zitiert, deren hervorstechendste Qualität zu sein scheint, die „jüngsten“ TheologInnen, Bischöfe etc. zu sein.

Nun behauptet niemand, jüngere Menschen hätten nicht auch Wichtiges zu sagen. Warum aber ein höheres Lebensalter Menschen disqualifizieren soll, sich zu aktuellen Themen zu äußern, ist genauso wenig einsichtig. Ganz im Gegenteil! Es gab Zeiten, da wurde die längere Lebenserfahrung noch als Qualität angesehen und geschätzt.

In der Benediktsregel (Kapitel 3) findet sich dazu ein sehr ausgewogener Rat:

„Dass aber alle zur Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist. Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten verteidigen.“

Vor diesem Hintergrund ist mir eine alttestamentliche Erzählung eingefallen. Rehabeam, der Sohn des für seine Weisheit berühmten König Salomo, übernimmt die Regierungsgeschäfte und wählt sich Berater:

„Und der König Rehabeam hielt einen Rat mit den Ältesten, die vor seinem Vater Salomo gestanden hatten, als er noch lebte, und sprach: Wie ratet ihr, dass wir diesem Volk Antwort geben? Sie sprachen zu ihm: Wirst du heute diesem Volk einen Dienst tun und ihnen zu Willen sein und sie erhören und ihnen gute Worte geben, so werden sie dir untertan sein dein Leben lang.

Aber er verwarf den Rat der Ältesten, den sie ihm gegeben hatten, und hielt einen Rat mit den Jüngeren, die mit ihm aufgewachsen waren und vor ihm standen. Und er sprach zu ihnen: Was ratet ihr, dass wir antworten diesem Volk, das zu mir gesagt hat: Mache das Joch leichter, das dein Vater auf uns gelegt hat? Und die Jüngeren, die mit ihm aufgewachsen waren, sprachen zu ihm: Du sollst zu dem Volk, das zu dir sagt: »Dein Vater hat unser Joch zu schwer gemacht; mache du es uns leichter«, so sagen: Mein kleiner Finger ist dicker als meines Vaters Lenden. Nun, mein Vater hat auf euch ein schweres Joch gelegt, ich aber will’s euch noch schwerer machen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich will euch mit Skorpionen züchtigen.“ (1. Könige 12, 6-11)

Die Folge war eine Spaltung des Volkes, wie man im weiteren Verlauf lesen kann.

Im alttestamentlichen Buch Jesus Sirach findet sich der Hinweis:

„Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden? Wie schön ist’s, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen. Wie schön ist Weisheit bei den Alten und bei Angesehenen Überlegung und Rat. Die Krone der Alten ist reiche Erfahrung; und ihre Ehre ist die Furcht des Herrn.“ (Sirach 25, 3-6)

Eine große und komplexe Gemeinschaft, wie es die Kirche ist oder auch ein Staatswesen, tut also gut daran, neben dem Idealismus und dem Engagemant der jüngeren Generationen auch auf die Erfahrung und Mäßigung der älteren Generationen zu hören.

Nein, die „alten (weißen) Männer“ haben nicht ausgedient! Ganz im Gegenteil! Abgesehen davon halte ich diesen diskreditierend gemeinten Ausdruck für rassistisch, sexistisch und gerontophob.

Auch passend zum Thema:

Sticheln erlaubt

Die Weihnachtszeit ist noch nicht ganz vorbei, und ich beschäftige mich bereits mit österlichen Vorbereitungen. Diesmal sind es jedoch noch nicht erste Proben für die österlichen Gesänge, sondern vielmehr meine ersten Versuche, das sticken zu erlernen. Eine Kollegin hat mich bei meinen ersten Gehversuchen mit der Sticknadel freundlicherweise hilfreich begleitet. Herzlichen Dank dafür!

Eines der ersten größeren Ziele ist es, eine Weihkorbdecke zu besticken und ein paar Osterfahnen. Mein erstes Ausprobieren war deshalb bereits ein österliches Motiv, das zu einem Lesezeichen wurde.

Wenn ich bis Ostern fertig werden will, sollte ich allerdings so langsam mit der Decke und den Fahnen beginnen, sonst wird’s eng.

Wenn die eigene Dusseligkeit zum Glücksfall wird

Den jahreszeitbedingten Radwechsel nehme ich an meinem Auto schon seit einigen Jahren selbst vor – so auch für diesen Winter. Vor meiner Urlaubsfahrt ins Saarland und ins Allgäu habe ich aber vergessen, den Luftdruck zu prüfen und die Schrauben nach einigen Kilometern nachzuziehen. Mein Bruder und mein Neffe haben mir also angeboten, das für mich zu übernehmen.

Dabei ist dann meine zweite Dusseligkeit aufgefallen. Ich habe – wohl in einem Anfall geistiger Umnachtung – die Seiten vertauscht, so dass die Reifen entgegen der vorgesehenen Laufrichtung montiert waren.. Gar nicht gut! Darum sind wir zu einer Garage gefahren, wo die beiden mir die Reifen ummontiert haben.

Und wenn mein Auto schonmal über einer Montagegrube steht, kann mein Neffe ja gleich mal einen Blick drunter und in den Motorraum werfen. Zum Glück! So ist nämlich aufgefallen, dass bei der kürzlichen Inspektion vergessen wurde, den Deckel auf den Behälter mit der Bremsflüssigkeit wieder festzuschrauben. Bei der langen, nassen Fahrt ins Allgäu hätte das böse Folgen haben können.

Ja, meine Dusseligkeit hat mich geärgert, und sie hat außerdem heftig an meinem Stolz gekratzt. Zuletzt hat sie sich aber – dank der Gründlichkeit und Hilfsbereitschaft meines Bruders und meines Neffen – als Glücksfall erwiesen.

Manchmal darf man es auch ganz handfest und unmittelbar erleben:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. (Röm 8, 28)