Zölibatsdebatte und ‚Frauenfrage‘ – man spürt die Absicht und ist verstimmt

Die Debatte um den Zölibat der Priester könnte eigentlich recht unaufgeregt sein, aber sie scheint wohl gerade – gemeinsam mit der Debatte um die Weihe von Frauen – der Dreh- und Angelpunkt der derzeitige Diskussionen im kirchlichen Bereich zu sein – angefeuert von den Erwartungen, die mit dem Synodalen Weg in Deutschland verknüpft werden.

Ja, der Zölibat hat seinen Wert – nicht so sehr, weil er dem Priester Freiräume für vermehrten Einsatz für die Gemeinde bietet, nicht weil Ehe und Familie ihn zu viel Zeit kosteten und schon gar nicht, weil Sexualität etwas Verwerfliches wäre, sondern weil er auf die himmlische Wirklichkeit hinweist. Der Zölibat der Priester, genauso wie die Jungfrauenweihe oder die Witwenweihe, ist ein unübersehbares Zeichen dafür, dass es mehr gibt, als diese Welt und dieses Leben. Darum wird er, genau wie die Jungfrauen- und Witwenweihe, so angeriffen. Für viele ist es unerträglich, mit einem unübersehbaren Zeichen konfrontiert zu werden, das mehr als nur pragmatisch ist, sondern an eine transzendente Wirklichkeit erinnert, an unser letztendliches Ziel.

Aber der Zölibat ist andererseits auch kein Dogma und nicht Voraussetzung für die Gültigkeit einer Weihe. Auch die Verteidiger des Zölibats schießen häufig über’s Ziel hinaus und messen ihm eine Bedeutung bei, die er nicht hat. Es gibt ja bereits verheiratete Priester, und zwar sowohl in der römisch-katholischen Kirche als auch vor allem in den orthodoxen und altorientalischen Kirchen. Diesen Priestern wird wohl (hoffentlich!) niemand das Priestertum, eine priesterliche Existenz und priesterliches Wirken absprechen.

Ich glaube, in den derzeitigen Diskussionen um das Thema Zölibat geht es weniger um ‚arme einsame Priester ohne Familie‘ (es werden schließlich fast die Hälfte der Ehen hierzulande geschieden und es gab noch nie so viele Singles wie heute), sondern eher darum, jeglichen Unterschied zwischen geweihten Klerikern und Laien zu beseitigen oder zumindest unsichtbar zu machen. Das Heilige darf nicht mehr sichtbar werden!

Mit verheirateten Priestern hätte ich noch das geringste Problem, wenn sie denn ihrem Stand gemäß z.B. priesterliche Kleidung trügen und sich gemäß ihrer Würde und ihres geweihten Standes verhielten. Deswegen funktioniert das ja auch bei den Ostkirchen und bei den altorientalischen Kirchen, wäre bei uns aber ein fatales Zeichen. Damit wäre hier im Westen eines der letzten und das viellleicht augenfälligste sichtbare Hinweis auf die so ganz andere Welt Gottes eliminiert.

Und ich vermute, das ist der Hauptgrund für die Forderung der Aufhebung des Zölibats: Nivellierung des geweihten Priestertums. Bei der Frage nach der Frauenordination steckt im Übrigen dieselbe Denkweise dahinter, wie ich in den verschiedenen Diskussionen mit den einschlägigen Gruppierungen feststellen konnte. Irgendwann kam nämlich immer das ‚Argument‘, Jesus habe schließlich überhaupt keine Priester geweiht.

Letztlich geht es also wohl vor allem darum, das Weihepriestertum an sich abschaffen zu wollen. Die Marginalisierung des Zölibats und die Forderung nach Weiheämtern für Frauen sind lediglich Zwischenstationen dazu.

Zum selben Thema: „Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‚vergessen‘ wird“

2 Gedanken zu „Zölibatsdebatte und ‚Frauenfrage‘ – man spürt die Absicht und ist verstimmt

  1. Nach einem treffenden Bonmot leiden diejenigen am meisten unter dem Zölibat, die ihm gar nicht unterworfen sind…

    Interessanterweise werden in der Zölibats-Debatte die „Schattenseiten“ von Ehe und Familie komplett ausgeblendet – Probleme mit der Ehefrau oder mit den Kindern scheint es nicht zu geben. Was ist, wenn Schul- oder Eheprobleme auftauchen oder langwierige schwere Erkrankungen? Drogenprobleme beim Kind? Hätte der Priester überhaupt „noch einen Kopf“ für die Sorgen und Schwierigkeiten seiner Gemeindemitglieder? Oder wollte er dann nicht (menschlich völlig verständlich) erstmal seine eigenen Probleme lösen und empfindet daher anderer Leute Sorgen als zweitrangig und lästig?
    Wie sähe übrigens das traute Familienleben aus? Gäbe es starre „Bürozeiten“ und das Priestertum würde ein „nine-to-five-Job“ mit Urlaubsanspruch in den Schulferien?

    Wie auch immer: In meiner ehemaligen Wohnort-Pfarrei hatte der damalige Pfarrer ein (nicht folgenlos gebliebenes) Verhältnis mit der Pfarrsekretärin. Sie lebten über 3 Jahrzehnte offen eheähnlich zusammen, das BO richtete ihm eine Pfarrstelle ein und schloß fürderhin die Augen. Die Folge für die Gemeindemitglieder: Entweder man gehörte zum Unterstützerklüngel „von Paster un sinner Fru“, der über Pfarrgebäude und – eigentum selbstherrlich verfügte, oder man bekam in der Gemeinde kein Bein auf den Boden. Private Feiern und Gremiensitzungen verschwammen da meist, mietfrei wurde gefeiert, die Getränke als Sitzungskosten abgerechnet. Feuchtfröhliche Ausflüge waren „Workshops“ und Wallfahrten, da tourte ein „Familienkreis“ aus 60 und 70-jährigen durch die Gegend, gesponsert aus Kirchenmitteln. War man nicht Insider, platzte „Frau Pfarrer“ dann auch mal ungeniert ins Pastoralgespräch, weil sie mit ihrem Menne jetzt bitte den Tatort schauen wollte. Damen unter 80 wurden von ihr sowieso rabiat verbissen, wenn sie sich näher als 2 Meter dem Pfarrer näherten. Alles keine Übertreibungen, sondern belegbare Begebenheiten. Seit ich in dieser Gemeinde war, bin ich absoluter Anhänger des Zölibats.

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