Zölibatsdebatte, Frauenordination und was dabei gern ‘vergessen’ wird

Katholisch.de greift die endlose Debatte um den Zölibat wieder auf: ‘Zwischen Ehelosigkeit und Laienpredigern

Bei diesen Dingen wird allerdings jedes Mal ‘vergessen’, dass es ein großer Unterschied ist, ob ein Verheirateter zum Diakon oder Priester geweiht wird, oder ein Diakon / Priester heiratet. Ehe ist nicht zwingend ein Weihehindernis (siehe ständige Diakone oder konvertierte verheiratete Pfarrer), aber eine Weihe ist ein Ehehindernis. Bei letzterem berührt es nämlich bereits die Sakramententheologie.

Also selbst, wenn der allgemeine Zölibat für das Priestertum aufgehoben würde, änderte sich nichts für die bereits Geweihten. Darin sind sich Ostkirche und Westkirche übrigens einig. Ein Abgehen von dieser Linie wäre also auch ein großes Hindernis für die Ökumene.

Ähnliches gilt für die Forderung nach der Weihe von Frauen. Es ist beständiger kirchlicher Konsens in nahezu allen Kirchen, dass die Diakonen- und Priesterweihe nur für Männer vorgesehen ist. Geändert wurde das meines Wissens nur in der Altkatholischen und der Anglikanischen Kirche – und zwar erst vor reltiv kurzer Zeit. Die Praxis der Evangelischen Kirche und der Freikirchen kann hier nicht als Argument dienen, denn da wird im Normalfall überhaupt nicht geweiht(!) – weder Männer noch Frauen.

Auch die Weihe von Frauen wäre demnach ein Ökumene-Hindernis (auch wenn es gern genau anders herum dargestellt wird). Rechtfertigen muss sich meiner Meinung nach derjenige, der den bisherigen Konsens verlässt und nicht diejenigen, die dabei bleiben.

Da fehlt doch was

Es existiert jetzt also ein Memorandum, das mittlerweile von knapp 200 Theologen unterschrieben wurde. Die Forderungen nach Wegfall des Zölibat, Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priestertum und weitere nicht ganz neue Reformwünsche treten damit zeitlich “günstig” in der Planungsphase des Papstbesuches in Deutschland vehement wieder an die Öffentlichkeit. Blogger Alipius denkt laut darüber nach, dass dieser Zeitpunkt möglicherweise kein Zufall ist.

Die Verfasser des Memorandums selbst begründen ihre Wortmeldung allerdings mit dem Priestermangel und ihrer Sorge um die individuelle Seelsorge, die dadurch nicht mehr gewährleistet sei. Merkwürdig nur, dass bei diesem Focus auf die Seelsorge und der Befürchtung einer überbordenden Verwaltung/Organisation gerade an den Strukturen gedreht werden soll.

Bei aller Sorge um die Seelsorge lese ich auf der anderen Seite nichts von der Wichtigkeit der Beichte und der Notwendigkeit von festen Beichtgelegenheiten. Ich lese nichts von der unbedingt notwendigen Katechese, die ja nicht zwingend allein durch die Priester geleistet werden muss. Mir fehlt auch völlig die Erwähnung von Möglichkeiten, bei denen Laien ihre spezielle Berufung in der Kirche leben können und damit die Priester unterstützen. Der Kirche wird Klerikalismus – sogar ein wachsender – vorgeworfen. Die Konzentration auf das quantitative Wachstum der Priesterschaft scheint mir nicht weniger klerikalistisch – wenn man nicht unterstellen will, dass eigentlich etwas ganz anderes bezweckt werden soll.